Die Intensivbetten-Illusion

Der Arikel erschien am 15.11.2025

Die Intensivbetten Illusion in der "Pandemie"

Eine Nachlese von Ulrich Brunhuber

Warum die meisten zusätzlichen Toten eher Behandlungsopfer als Virusopfer waren

Deutschland galt im Frühjahr 2020 als vorbildlich. Die Bundesregierung verwies auf Tausende zusätzlich finanzierte Intensivbetten. Medien warnten täglich vor dem drohenden Zusammenbruch der Intensivstationen. Gleichzeitig meldete das Statistische Bundesamt für die zwölf Monate von März 2020 bis Februar 2021 rund 71.000 zusätzliche Todesfälle, davon etwa 48 000 mit Eintrag Coronavirus Krankheit 2019 (COVID 19) auf dem Totenschein. Andere Auswertungen kommen jedoch zu einem deutlich nüchterneren Ergebnis. Mehrere Analysen der Sterbefallstatistik zeigen für das Jahr 2020 insgesamt nur geringe oder kaum nachweisbare Übersterblichkeit im Vergleich zu 2016 bis 2019. In manchen Regionen wurde sogar eine leichte Untersterblichkeit beschrieben.

Gleichzeitig brach die klassische Grippesaison fast vollständig weg. Die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) am Robert Koch Institut (RKI) berichtete für 2020 und 2021 eine außergewöhnlich niedrige Influenza Aktivität, mit über 99 Prozent Rückgang der nachgewiesenen Influenzaviren gegenüber früheren Saisons.Addiert man Influenza und COVID 19, ergibt sich für Deutschland das Bild eines schweren, aber nicht einzigartigen Infektionsjahres. Die Gesamtsterblichkeit blieb im Korridor früherer starker Infektionswinter. Die Last verschob sich von der Grippe in Richtung COVID Diagnose, ohne dass die Bilanz insgesamt aus allen Rahmen fällt.

Dieser Text verbindet zwei Linien. Erstens die Intensivbetten Illusion. Die offiziellen Krankenhausdaten zeigen keine historische Überlastung der Intensivmedizin, sondern eher eine normale Auslastung bei deutlich weniger Behandlungsfällen. Zweitens die verdrängte Frage der Behandlungsopfer. Ein erheblicher Teil der zusätzlichen Todesfälle kann plausibel als Folge aggressiver Beatmung, unsicherer Medikamentenstrategien und organisatorischer Fehlentscheidungen gedeutet werden, nicht als unausweichliche Wirkung eines nie gesehenen Virus.

Wahrheit entsteht dabei nicht durch bloßes Addieren von Diagnosegruppen, sondern durch den Blick auf das Gesamtbild aus Versorgung, Therapie und Statistik.

Die Intensivbetten Illusion

Im März 2020 beschloss der Bundestag ein Krankenhausentlastungsgesetz für die Corona Zeit. Krankenhäuser erhielten für jedes zusätzlich gemeldete Intensivbett einen Zuschlag von fünfzigtausend Euro. Zugleich wurden Ausgleichszahlungen für freigehaltene Betten eingeführt, wenn Kliniken planbare Eingriffe verschoben und damit Kapazitäten für COVID 19 freiließen.

Die Botschaft war klar. Deutschland brauche möglichst schnell mehr Intensivplätzen. In der öffentlichen Wahrnehmung schien die Zahl der Intensivbetten in kurzer Zeit dramatisch zu steigen. Von einem nie dagewesenen Ausbau war die Rede.

Die nüchternen Zahlen sehen anders aus. Die vom RWI Leibniz Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) und der Technischen Universität Berlin (TU Berlin) im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) ausgewerteten Daten zeigen für 2020 im Vergleich zu 2019:

  • Die Fallzahlen in Krankenhäusern, die nach dem Diagnosis Related Groups System (DRG) abrechnen, gingen um rund dreizehn Prozent zurück.
  • Die Verweildauertage sanken um etwa zwölf Prozent.
  • Die Bettenauslastung aller DRG Krankenhäuser fiel von 75,1 Prozent auf 67,3 Prozent.
  • Die Verweildauertage auf Intensivstationen nahmen leicht ab.
  • Die Bettenauslastung der Intensivstationen sank von 69,6 Prozent auf 68,6 Prozent. (BMG)

Die dem Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) gemeldete Zahl der Intensivbetten blieb praktisch konstant, im Bereich von gut 26 000 Plätzen. (BMG)

Das Statistische Bundesamt bestätigt für 2020 einen Jahresdurchschnitt von rund 27 000 Intensivbetten, etwa fünf Prozent mehr als 2019. Gleichzeitig sank die Gesamtzahl der Krankenhausbetten und die Zahl der Behandlungstage deutlich.

Kurz gesagt. Es wurden Operationen verschoben, Betten freigehalten, die Auslastung der Akutkrankenhäuser sank, die Intensivstationen blieben im Jahresmittel normal ausgelastet. Der große historische Ausbau existierte eher in Pressekonferenzen als im Versorgungsgeschehen.

Das neue Leitinstrument: Intensivregister der DIVI

Parallel zur finanziellen Förderung wurde das Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv und Notfallmedizin (DIVI) aufgebaut. Seit Mitte April 2020 müssen Kliniken mit Intensivstationen täglich melden, wie viele Intensivbetten vorhanden, belegt und frei sind und wie viele Patienten wegen COVID 19 intensivmedizinisch behandelt werden.

Diese Echtzeitdaten waren neu. Erstmals gab es täglich aktuelle Zahlen zu belegten und freien Intensivbetten. Das Register wurde schnell zur Leitkennzahl der politischen Kommunikation. Fast alle großen Maßnahmen wurden mit der drohenden Überlastung dieser Kapazitäten begründet.

Dabei ist entscheidend, was ein Intensivbett im Register bedeutet. Es ist kein Möbelstück, sondern ein Platz mit Gerät und qualifiziertem Personal. Fehlen Pflegekräfte, gilt ein Bett statistisch als nicht betreibbar, selbst wenn Bettgestell und Beatmungsgerät im Raum stehen.

Zugleich verknüpfte die Politik die Ausgleichszahlungen mit Schwellenwerten bei den freien Intensivbetten. Wurde eine bestimmte Knappheit gemeldet, flossen Mittel. Der Bundesrechnungshof und Fachautoren haben später auf die offensichtliche Gefahr von Fehlanreizen hingewiesen. Knappheit konnte sich finanziell lohnen.

Die tägliche Intensivzahl war damit nie eine reine Abbildung des Versorgungszustands, sondern immer auch ein Produkt von Personalstand, Definitionen und Finanzlogik.

Beatmung als Risiko: COVID 19 und das ARDS Paradigma

Die frühen Bilder aus Wuhan und Norditalien zeigten Patienten an Beatmungsgeräten, lange Schläuche, maximalen technischen Aufwand. Die internationale Fachwelt griff auf das vertraute Konzept des Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS) zurück.

ARDS ist ein schweres Lungenversagen, bei dem weite Teile der Lunge steif und schlecht belüftet sind. Die klassischen Leitlinien empfehlen niedrige Tidalvolumina, positive Druckniveaus und oft frühe Intubation, um kollabierte Lungenabschnitte offen zu halten. Dieses Protokoll war über Jahre erprobt, aber auf ein relativ homogen betroffenes Lungenorgan zugeschnitten.

Früh in der Pandemie wiesen Intensivmediziner wie Luciano Gattinoni darauf hin, dass COVID 19 Pneumonie häufig anders aussieht. Bildgebung und Messwerte zeigten Patientengruppen mit sehr schwerer Sauerstoffstörung, aber noch relativ gut dehnbarer Lunge. Gattinoni sprach von unterschiedlichen Phänotypen und warnte vor der mechanischen Anwendung des ARDS Schemas bei COVID 19.

Wenn ein Teil der Lunge noch soft und dehnbar ist, der andere Teil aber kollabiert oder durch Thrombosen praktisch verloren, dann kann hoher Beatmungsdruck die verbleibenden gesunden Areale überdehnen. Es droht Barotrauma. Pneumothorax, also gerissene Lunge mit Luft im Brustraum, ist eine bekannte Komplikation.

Autopsiestudien aus Deutschland und anderen Ländern zeigten bei vielen COVID 19 Verstorbenen neben Entzündungszeichen auch massive Beatmungsschäden und ausgeprägte Thrombosen in der Lunge.

Gleichzeitig empfahlen prominente Leitlinien am Anfang noch, Patienten mit drohender Ateminsuffizienz eher früh zu intubieren. Nicht invasive Verfahren wie Continuous Positive Airway Pressure (CPAP) oder High Flow Nasal Cannula (HFNC) wurden aus Sorge vor Aerosolbildung vielerorts zurückhaltend eingesetzt. Erst mit wachsender Erfahrung verschob sich die Praxis zu späterer Intubation, mehr nicht invasiver Unterstützung und konsequenter Bauchlage auch bei wachen Patienten.

Rückblickend ist schwer zu bestreiten, dass ein Teil der schweren Lungenschäden und Todesfälle durch ungünstige Beatmungsstrategien mitverursacht oder verstärkt wurde. Genaue Zahlen fehlen. Aber wenn man bedenkt, wie sensibel der Ausgang bei ARDS Patienten auf Beatmungsparameter reagiert, ist es plausibel, dass auch nur leicht falsche Einstellungen bei tausenden Fällen messbare Folgen hatten.

Medikamentenversuche zwischen Hoffnung und Schaden

Neben der Technik war die medikamentöse Therapie eine zweite große Baustelle. Früh wurden Substanzen wie Hydroxychloroquin breit diskutiert. Das ursprünglich gegen Malaria eingesetzte Mittel wurde in kleinen, methodisch schwachen Studien als Wundermittel propagiert. Später zeigten große Studien wie die WHO Solidarity Untersuchung und Meta Analysen keinen Nutzen, eher Hinweise auf Risiken wie Herzrhythmusstörungen und längere Liegedauer.

Gleichzeitig wurde der Einsatz von Corticosteroiden zunächst eher gemieden. Die Sorge war, das Immunsystem zu schwächen. Erst der RECOVERY Trial in Großbritannien zeigte klar, dass Dexamethason bei schwer kranken COVID 19 Patienten die Sterblichkeit senken kann, wenn es in der richtigen Phase eingesetzt wird.

Bis diese Ergebnisse Eingang in Leitlinien und Praxis fanden, waren bereits viele Patienten ohne diese Therapie oder zum falschen Zeitpunkt behandelt worden.

Auch die Gerinnungsstörung wurde erst nach und nach verstanden. Autopsien zeigten häufig Mikrothrombosen in der Lunge und anderen Organen. Die konsequente Antikoagulation mit Heparin kann in solchen Fällen lebensrettend sein, erhöht aber gleichzeitig das Risiko schwerer Blutungen, vor allem bei älteren und multimorbiden Patienten.

Kurz gefasst. Das erste Pandemie Jahr war therapeutisch ein großes, kaum kontrolliertes Experiment am offenen Herzen des Systems. Medikamente ohne nachgewiesenen Nutzen wurden breit eingesetzt, andere mit später klar belegtem Nutzen kamen verzögert zum Einsatz. Die Differenz zwischen optimiertem Wissen und realer Praxis ging zulasten der Patienten.

Übersterblichkeit, Totenscheine und Behandlungsopfer

Offiziell meldete das Statistische Bundesamt für das Kalenderjahr 2020 keine klar ausgeprägte, landesweite Übersterblichkeit, obwohl gleichzeitig zehntausende Todesfälle mit COVID 19 Diagnose registriert wurden. Die Analyse von Kowall und Kollegen spricht von kaum oder nur sehr geringer Übersterblichkeit im Vergleich zu 2016 bis 2019.

Regionale Auswertungen für Ballungsräume wie Frankfurt am Main zeigen ein ähnliches Bild. Deutlich erhöhte Sterblichkeit in der zweiten Welle Ende 2020, ansonsten normale oder sogar leicht unterdurchschnittliche Sterblichkeit in 2020 und 2021.

Dazu kommt der fast vollständige Einbruch der Influenza Welle 2020 2021. Die Arbeitsgemeinschaft Influenza des Robert Koch Instituts dokumentiert einen über 99 prozentigen Rückgang der nachgewiesenen Influenzaviren.

Das legt eine naheliegende Lesart nahe. Ein Teil der schweren Atemwegsinfektionen, die in früheren Jahren unter der Diagnose Influenza oder allgemein Pneumonie geführt wurden, tauchte nun in der Statistik unter COVID 19 auf. Die Gesamtzahl schwerer Atemwegserkrankungen blieb im Rahmen üblicher Schwankungen, die Etiketten auf dem Totenschein änderten sich.

Die entscheidende Frage lautet dann nicht mehr, ob COVID 19 prinzipiell tödlich sein kann. Das ist unstrittig. Sondern wie viele der zusätzlichen Todesfälle tatsächlich unausweichliche Virusopfer waren und wie viele durch die Art der Behandlung mit verursacht wurden.

Hier beginnt der blinde Fleck. Totenscheine trennen in der Praxis selten sauber zwischen der eigentlichen Grunderkrankung, den Folgen der Behandlung und zufälligen Befunden. Ein Patient, der nach einem schweren Autounfall auf der Intensivstation liegt, dort routinemäßig positiv auf COVID 19 getestet wird und später an seinen Unfallverletzungen oder an Komplikationen der Intensivtherapie stirbt, erscheint oft in der Statistik als Corona Todesfall. Ebenso kann ein Mensch, der nach wochenlanger Intensivbehandlung an Pneumonie, Sepsis, Lungenriss und Blutungskomplikation verstirbt, COVID 19 als Hauptdiagnose auf dem Totenschein erhalten, auch wenn Beatmungsdruck, Sedierung und Medikamente eine entscheidende Rolle gespielt haben.

Offizielle Statistiken zu Todesfällen, die durch die Behandlung selbst mit verursacht wurden, gibt es für die Pandemiezeit kaum. Kritische Fachautoren und Intensivmediziner schätzen, dass eine zweistellige Prozentzahl der als COVID 19 geführten Todesfälle zumindest mitbehandlungsbedingt gewesen sein könnte. Selbst wenn man konservativ nur zehn bis zwanzig Prozent ansetzt, ergibt dies mehrere tausend vermeidbare Tote allein im ersten Jahr. Konkrete Zahlen sind umstritten, die grundsätzliche Problematik ist es nicht.

In dieser Perspektive erscheinen viele der zusätzlichen Toten weniger als Opfer eines übermächtigen Virus, sondern als Opfer eines Systems, das mit Hochdruck behandelte, ohne die Besonderheiten der neuen Erkrankung und die Grenzen der etablierten Protokolle rechtzeitig zu berücksichtigen.

Intensivbetten, Kommunikation und politischer Nutzen

Vor diesem Hintergrund wirkt die offizielle Intensivgeschichte wie ein Drehbuch.

Auf der einen Seite zeigen die Krankenhausdaten sinkende Fallzahlen, geringere Bettenauslastung und eine Intensivmedizin, die im Jahresmittel normal ausgelastet ist. COVID 19 Patienten belegten im Durchschnitt nur einen kleinen Anteil der Intensivbetten. (BMG)

Auf der anderen Seite stehen tägliche Meldungen über knapper werdende freie Intensivbetten, dramatische Warnungen vor Triage und die ständige Beschwörung eines einzigartigen Notstands.

Erklären lässt sich dieser Widerspruch durch vier Faktoren:

  1. Definitionen und Personal
    Die Zahl der freien Betten im Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv und Notfallmedizin (DIVI) hing direkt am verfügbaren Personal und an Meldeleitlinien. Wenn Pflegekräfte wegen positiver Tests in Quarantäne geschickt wurden, sank die Zahl der betreibbaren Betten, obwohl nichts an der physischen Ausstattung geändert wurde.
  2. Finanzielle Anreize
    Die Ausgleichszahlungen belohnten Knappheit. Wer knappe Intensivkapazität meldete und andere Behandlungen zurückstellte, erhielt Geld. Das ist keine Unterstellung, sondern ergibt sich aus der Konstruktion der Regelungen, wie sie der Bundesrechnungshof kritisch beschrieben hat.
  3. Fokus auf Extremwerte
    Politik und Medien betonten immer wieder regionale Spitzenbelastungen und tagesaktuelle Höchstwerte. Kaum kommuniziert wurden die langen Phasen normaler Auslastung, die im Jahresmittel überwogen.
  4. Legitimationsdruck
    Weitreichende Eingriffe in Grundrechte, Lockdowns, Kontaktverbote und indirekte Impfpflichten mussten begründet werden. Die drohende Überlastung der Intensivstationen wurde zum zentralen Narrativ. Dass dieses Bild nur unter Ausblendung struktureller und iatrogener Faktoren haltbar war, geriet in den Hintergrund.

So entstand eine doppelte Illusion. Nach außen die Erzählung von der einzigartigen Intensivbetten Krise. Nach innen ein Gesundheitssystem, das real weniger Patienten behandelte, aber viele von ihnen mit hohen Risiken und hoher Unsicherheit.

Fazit: Normales Infektionsjahr, außergewöhnliche Behandlungsschäden

Wenn man Influenza und COVID 19 gemeinsam betrachtet, zeigt sich für Deutschland im Jahr 2020 kein historischer Sprung der Gesamtsterblichkeit, sondern eine Verschiebung innerhalb der Atemwegserkrankungen. Die klassische Grippewelle fiel fast aus, COVID 19 übernahm einen Teil der Rolle als schwerer Infektionserreger bei alten und vorerkrankten Menschen. Die Gesamtsterblichkeit blieb im Rahmen der Vorjahre oder überschritt ihn nur gering.

Gleichzeitig zeigt die Krankenhausstatistik, dass die Intensivstationen im Jahresdurchschnitt nicht höher ausgelastet waren als zuvor. Die große Bettenkrise fand vor allem in Präsentationen und Schlagzeilen statt, nicht in den Jahresbilanzen der Versorgung. (BMG)

Vor diesem Hintergrund liegt eine unbequeme Schlussfolgerung nahe. Ein relevanter Teil der zusätzlichen Todesfälle im ersten Pandemiejahr war weniger das Werk eines übermächtigen Virus als das Ergebnis einer überforderten und fehlsteuernden Medizin.

  • Frühintubation nach klassischem Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS) Muster bei einer andersartigen Lungenbeteiligung.
  • Hohe Beatmungsdrücke und starre Protokolle, die gesunde Lungenanteile überdehnten.
  • Medikamentenstrategien zwischen Hoffnung und Schaden, von nutzlosen Substanzen bis zu spät etabliertem Nutzen von Corticosteroiden.
  • Massive organisatorische Eingriffe, Quarantäne für Personal, wirtschaftliche Anreize zur Knappheitsmeldung.

All dies zusammen erzeugte ein Umfeld, in dem aus einer schweren Infektionswelle mit normaler Gesamtsterblichkeit ein historisches Bedrohungsszenario wurde und in dem tausende Menschen wahrscheinlich nicht nur an ihrer Erkrankung starben, sondern auch an ihrer Behandlung.

Die offizielle Aufarbeitung dieser durch die Behandlung verursachten Schäden steht weitgehend aus.. Totenscheine kennen kaum das Feld Behandlungsopfer. Leitlinienprotokolle werden korrigiert, ohne dass öffentlich darüber gesprochen wird, wie viele Patienten vorher unter den alten Empfehlungen gelitten haben.

Wenn die nächste Pandemie nicht wieder zu einem groß angelegten, schlecht dokumentierten Experiment werden soll, braucht es drei einfache Konsequenzen.

Erstens eine ehrliche Statistik, die Behandlungsfolgen sichtbar macht.
Zweitens eine Kultur der schnellen Korrektur, die abweichende klinische Beobachtungen wie die von Gattinoni nicht monatelang an den Rand drängt.
Drittens eine Kommunikation, die Intensivzahlen nicht als politische Waffe verwendet, sondern als das, was sie sind. Momentaufnahmen eines komplexen Systems, das man nur versteht, wenn man Versorgung, Personal, Therapie und Anreize gemeinsam betrachtet.

Quellen (Auswahl)

[1] RWI Leibniz Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) und Technische Universität Berlin (TU Berlin) im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG). Analysen zum Leistungsgeschehen der Krankenhäuser und zur Ausgleichspauschale in der Corona Krise. Ergebnisse für den Zeitraum Januar bis Dezember 2020. (BMG)

[2] Statistisches Bundesamt. Zahl der Intensivbetten im Jahresdurchschnitt 2020 um 5 Prozent höher als im Vorjahr. Pressemitteilung vom 20. Dezember 2021.

[3] Destatis und COVID 19 Statistik Deutschland 2020. Tabellen zu Sterbefällen und COVID 19 Verstorbenen.

[4] Kowall B et al. Excess mortality due to Covid 19 A comparison of total mortality in 2020 with total mortality in 2016 to 2019 in Germany, Sweden and Spain. PLoS One 2021.

[5] Universität Duisburg Essen. Keine Übersterblichkeit im Corona Jahr 2020 in Deutschland. Pressemitteilung vom 21. Oktober 2021.

[6] Heudorf U et al. Sterblichkeit in Frankfurt am Main 2020 bis 2023. Analyse von Standardisierter Mortalitätsratio und Übersterblichkeit.

[7] Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) am Robert Koch Institut (RKI). Influenza Wochenberichte Saison 2020 2021, insbesondere Bericht 15 2021 mit Angaben zur außergewöhnlich niedrigen Influenza Aktivität.

[8] Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Informationen zu Ausgleichszahlungen, Freihaltepauschalen und COVID 19 Pandemiegesetzgebung für Krankenhäuser.

[9] Bundesrechnungshof. Bemerkungen zur Verwendung von Ausgleichszahlungen und zu Fehlanreizen bei der Meldung knapper Intensivbetten.

[10] Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv und Notfallmedizin (DIVI) und Robert Koch Institut (RKI). Informationen zum Intensivregister und zu den täglichen Lageberichten zur intensivmedizinischen Versorgung.

[11] Gattinoni L et al. COVID 19 pneumonia different respiratory treatments for different phenotypes Intensive Care Medicine 2020 und ergänzende Beiträge zu COVID 19 assoziiertem Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS).

[12] Wichmann D et al. Autopsy Findings and Venous Thromboembolism in Patients With COVID 19 in Hamburg. Annals of Internal Medicine 2020 und weitere Autopsiestudien zu Lungenpathologie und Thrombosen.

[13] RECOVERY Collaborative Group. Dexamethasone in Hospitalized Patients with Covid 19. New England Journal of Medicine 2021 und begleitende Analysen zu Steroiden bei COVID 19.

[14] WHO Solidarity Trial Consortium und Folgepublikationen. Interim Results of Repurposed Antiviral Drugs for Covid 19, einschließlich Bewertung von Hydroxychloroquin.

[15] Diverse Übersichtsarbeiten zu Beatmung, ARDS und iatrogenen Risiken bei COVID 19, unter anderem Marini J et al. Management of COVID 19 Respiratory Distress. JAMA 2020 und technische Whitepaper zu Beatmungsstrategien.

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