Ukraine und Unterdrückte Minderheiten in der USSR

Der Artikel erschien am 28.11.2025

Ukraine: Unterdrückte Minderheiten in der UDSSR

Eine Nachlese von Ulrich Brunhuber

Ein historischer Rückblick auf die Minderheitenpolitik der UdSSR und ihre Folgen

Die Ukraine steht am Rande des Abgrunds. Während die Sowjetunion in ihren letzten Zügen liegt und die Unabhängigkeitsbewegung an Kraft gewinnt, offenbaren sich die tiefsten Wunden eines Imperiums: die systematische Unterdrückung von Millionen von Menschen, deren einziges Verbrechen darin bestand, nicht russisch oder ukrainisch zu sein. Von den Deutschen der Schwarzmeerküste bis zu den Krimtataren, von den Ungarn Transkarpatiens bis zu den Juden der Ukraine – die Geschichte der Minderheiten in der Sowjetunion ist eine Geschichte der Vertreibung, Vernichtung und Verdrängung. Und diese Geschichte wird zum Pulverfass für die Zukunft.

Die Illusion der sowjetischen Minderheitenpolitik

Als Lenin und Stalin die Sowjetunion gründeten, versprachen sie etwas Revolutionäres: die Befreiung unterdrückter Völker. Die frühen Jahre der Sowjetherrschaft in der Ukraine zeigten tatsächlich progressive Maßnahmen zur Gewährung der Rechte von Minderheiten.[1] Doch diese Hoffnung sollte sich als tragische Illusion erweisen. Ende der 1920er Jahre waren diese fortschrittlichen Maßnahmen bereits Geschichte.[2] Was folgte, war eine der dunkelsten Perioden der europäischen Geschichte.

Der sowjetische Staat unter Stalin verfolgte eine Politik der Homogenisierung, die darauf abzielte, die Vielfalt der Sowjetunion in ein monolithisches Gebilde zu verwandeln. Die Ukraine, als größte nationale Minderheit innerhalb des Zarenreiches,[3] wurde zum Experimentierfeld dieser brutalen Politik. Millionen starben im Holodomor, dem künstlich herbeigeführten Hunger der 1930er Jahre. Aber nicht nur Ukrainer waren Opfer – auch die ethnischen Minderheiten wurden systematisch verfolgt, deportiert und ermordet.

Die Deutschen: Von Privilegierten zu Verfolgten

Die Geschichte der Deutschen in der Ukraine ist eine Geschichte des Aufstiegs und Falls, des Vertrauens und der Vernichtung. Unter Zarin Katharina II. ab 1765 angesiedelt, erhielten deutsche Kolonisten großzügige Privilegien: Landvergabe, Steuerbefreiung, Religionsfreiheit und das Recht, ihre Muttersprache in Schulen und Ämtern zu verwenden.[4] Diese Bedingungen lockten Zehntausende an. Ab 1789 bauten deutsche Mennoniten die ersten Siedlungen am Dnepr auf.[4] Im 19. Jahrhundert ließen sich rund 200.000 Deutsche nieder, vor allem Mennoniten aus der Pfalz und Deutsche aus Kongresspolen.[4]

Doch der Sonderstatus endete abrupt. Zar Alexander II. hob 1871 die Privilegien auf: Russisch wurde Amtssprache, die Selbstverwaltungsorgane wurden aufgelöst, die deutschen Dörfer in die allgemeine Administration integriert.[4] Was unter dem Zaren begann, vollendete Stalin mit industrieller Effizienz.

In den 1930er Jahren wurden deutsche Schulen systematisch geschlossen und Ukrainisch als Unterrichtssprache eingeführt.[4] Allein in der Zeit von Juni bis August 1937 wurden 580 Deutsche in Odessa als angebliche Mitglieder „faschistischer Organisationen" verhaftet, im Gebiet Dnepropetrowsk etwa 4.200.[4] 1937 wurde der schwarzmeerdeutsche katholische Bischof Alexander Frison nach wiederholten Verhaftungen im Gefängnis erschossen.[4]

Das Schicksal besiegelte sich endgültig nach dem 22. Juni 1941. Am 28. August 1941 dekretierte der Oberste Sowjet die Umsiedlung der Deutschen aus dem Wolgagebiet und anderen Siedlungen im ganzen Land.[4] Etwa 83.000 Deutsche aus der Ukraine wurden gewaltsam in den hohen Norden, nach Sibirien, Kasachstan und Zentralasien deportiert.[4] Parallel dazu wurden von Oktober 1941 bis Ende 1943 fast 350.000 Deutsche aus dem westlichen und zentralen Teil der Ukraine in das Deutsche Reich gebracht, um sie für die Germanisierung polnischer Gebiete nutzbar zu machen.[4] Etwa 200.000 Personen gelangten bis Mitte 1944 in den deutsch annektierten „Warthegau".[4]

Die Deportierten mussten bis 1955 sogenannte Sondersiedlungen – de facto Lagerhaft – und Zwangsarbeit erdulden.[4] Erst 1964 hob die sowjetische Regierung das Deportationsdekret vom August 1941 auf, und 1991 erklärte die russische Regierung die Rehabilitierung der repressierten Deutschen.[4] Doch für die meisten war es zu spät. Bis in die 1970er Jahre konnten die verbannten Deutschen nicht in die Ukraine zurückkehren, und auch später gelang dies nur vereinzelt.[4] Eine ganze Zivilisation war ausgelöscht.

Die Krimtataren: Deportation und Verdrängung

Während die Deutschen aus der Ukraine verschwanden, erlebten die Krimtataren ein ähnliches Schicksal auf der Krim selbst. Die Krimtataren, die Ureinwohner der Krim, wurden nach dem Zweiten Weltkrieg als „Kollaborateure" gebrandmarkt und 1944 vollständig deportiert. Diese Deportation war nicht nur eine ethnische Säuberung – sie war die Vorbereitung für eine neue Bevölkerungspolitik.

Die Krimtataren akzeptierten diese Vertreibung niemals. Nach ihrer teilweisen Rehabilitierung 1967 kämpften sie weiter für ihre Rückkehr und die Wiederherstellung ihrer ehemaligen autonomen Republik.[5] Einige wagten es sogar, sich während der Sowjetzeit illegal auf der Krim wieder niederzulassen.[5] 1987 zählten die Krimtataren zu den ersten Sowjetbürgern, die es wagten, mit ihrer Forderung nach Rückkehr in die Öffentlichkeit zu treten.[5]

Diese Forderungen waren nicht nur nostalgisch – sie waren ein Schrei nach Gerechtigkeit. Die Krim war seit Jahrhunderten das Heimatland der Krimtataren. Ihre Vertreibung war ein Verbrechen gegen die Menschheit, und ihre Rückkehr war ein legitimes Recht. Doch die sowjetische Regierung weigerte sich, dieses Recht anzuerkennen. Diese Weigerung sollte sich als Zeitbombe erweisen, die in den kommenden Jahrzehnten explodieren würde.

Die Juden: Verfolgung unter sowjetischem Deckmantel

Die jüdische Minderheit der Ukraine hatte bereits unter dem Zarenreich gelitten – Pogrome waren an der Tagesordnung. Doch unter sowjetischer Herrschaft nahm die Verfolgung neue Formen an. Der sowjetische Antisemitismus war subtiler als der zaristische, aber nicht weniger tödlich. Während der Großen Säuberungen der 1930er Jahre wurden Tausende von Juden als „Volksfeinde" und „Kosmopoliten" verhaftet und hingerichtet.[6]

Während des Zweiten Weltkriegs erlebten die Juden der Ukraine die Hölle. Die Nazi-Invasion von 1941 führte zur Vernichtung von etwa 1,5 Millionen ukrainischen Juden. Doch auch nach dem Krieg gab es keine Ruhe. Der sowjetische Staat verbot jüdische Kulturorganisationen, schloss Synagogen und unterdrückte die jüdische Identität unter dem Deckmantel des „Internationalismus".[6]

Die Juden der Ukraine waren in einer unmöglichen Situation: Sie konnten ihre Identität nicht offen ausleben, ohne als „Nationalisten" oder „Zionisten" verdächtigt zu werden. Viele versuchten, sich in der sowjetischen Gesellschaft zu assimilieren, doch dies führte nur zur Auslöschung ihrer Kultur. Die jüdische Minderheit wurde nicht nur unterdrückt – sie wurde zum Verschwinden verurteilt.

Die Ungarn und Rumänen: Grenzminderheiten in der Falle

Die ungarische und rumänische Minderheit in der Westukraine befand sich in einer besonders prekären Lage. Sie waren nicht nur ethnische Minderheiten in der Ukraine – sie waren auch Angehörige von Staaten, die außerhalb der Sowjetunion lagen. Dies machte sie automatisch verdächtig, potenzielle „Agenten des Imperialismus" zu sein.

Unter Stalin wurden Ungarn und Rumänen systematisch verfolgt. Schulen in ihren Sprachen wurden geschlossen, ihre kulturellen Organisationen aufgelöst, ihre Führungspersonen verhaftet und hingerichtet. Die sowjetische Regierung fürchtete, dass diese Minderheiten als „Brückenköpfe" für westliche Einflussnahme dienen könnten.

Diese Unterdrückung hatte tiefe psychologische Folgen. Die Ungarn und Rumänen der Ukraine entwickelten ein Gefühl der Entfremdung von der sowjetischen Gesellschaft. Sie konnten ihre Identität nicht ausleben, ohne Gefahr zu laufen, verhaftet zu werden. Gleichzeitig wurden sie von ihren Mutterländern – Ungarn und Rumänien – als „sowjetische Agenten" verdächtigt. Sie waren gefangen zwischen zwei Welten, anerkannt von keiner.

Die russischsprachige Bevölkerung: Privilegierte und Unterdrücker zugleich

Während die anderen Minderheiten verfolgt wurden, genoss die russischsprachige Bevölkerung einen privilegierten Status in der Ukraine. Russisch war die Sprache der Macht, der Verwaltung, der Industrie. Wer Russisch sprach, hatte Zugang zu besseren Jobs, besserer Bildung, mehr Einfluss.

Doch diese Privilegien waren nicht zufällig. Sie waren das Ergebnis einer bewussten sowjetischen Politik der Russifizierung. Die Sowjetunion versuchte, die Ukraine zu „sowjetisieren", was in der Praxis bedeutete, sie zu russifizieren. Russisch wurde zur Lingua Franca, zur Sprache der Macht. Die ukrainische Sprache wurde marginalisiert, auf den privaten Bereich beschränkt.

Diese Politik schuf eine tiefe Spaltung in der ukrainischen Gesellschaft. Die russischsprachige Bevölkerung – ob ethnische Russen oder russifizierte Ukrainer – wurde zur Stütze des sowjetischen Systems. Sie profitierten von der Unterdrückung anderer Minderheiten. Gleichzeitig wurden sie selbst zu Instrumenten dieser Unterdrückung, oft ohne sich dessen bewusst zu sein.

Die Wurzeln des Konflikts: Unterdrückung als Zeitbombe

Die sowjetische Minderheitenpolitik war nicht einfach eine Frage von Ungerechtigkeit – sie war eine Zeitbombe, die darauf wartete, zu explodieren. Die Unterdrückung der Minderheiten schuf tiefe Ressentiments, die sich über Jahrzehnte aufstauten.

Die Deutschen waren ausgelöscht, ihre Kultur vernichtet, ihre Sprache zum Schweigen gebracht. Die Krimtataren waren vertrieben, ihre Heimat ihnen genommen. Die Juden waren traumatisiert, ihre Identität bedroht. Die Ungarn und Rumänen waren gefangen zwischen zwei Welten. Und die Ukrainer selbst waren unterdrückt, ihre Sprache marginalisiert, ihre Kultur als „bourgeois-nationalistisch" verdammt.

Diese Unterdrückung konnte nicht ewig andauern. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den späten 1980er Jahren begannen die unterdrückten Völker, ihre Stimmen zu erheben. Die Volksbewegung „Ruch" entstand 1989 als Zusammenschluss oppositioneller Gruppierungen.[7] In den ersten freien Wahlen im März 1990 erreichte die Ruch knapp 25 Prozent der Stimmen.[7] Sie vertraten zunächst moderate Positionen gegenüber der Sowjetunion und setzten ihren Schwerpunkt auf kulturelle Themen, entwickelten sich aber bald zur herausragenden Bewegung der nationalen Unabhängigkeit – in deutlicher Opposition zur Kommunistischen Partei.[7]

Die Forderungen waren klar: Unabhängigkeit für die Ukraine, Wiederherstellung der ukrainischen Sprache und Kultur, Gerechtigkeit für die unterdrückten Minderheiten. Am 16. Juli 1990 verkündete die Ukraine ihre Souveränität,[8] am 24. August 1991 ihre Unabhängigkeit.[8] Am 1. Dezember 1991 fand ein Referendum statt, bei dem 90,3 Prozent der Abstimmenden für die Unabhängigkeit stimmten.[9]

Die Krim: Ein Pulverfass entsteht

Doch die Unabhängigkeit der Ukraine sollte nicht das Ende der Konflikte bedeuten – sie sollte nur der Anfang sein. Die Krim wurde zum Zentrum der neuen Spannungen. Mit ukrainischem Gesetz vom 12. Februar 1991 wurde die ASSR Krim errichtet.[10] Die politische Intention der autonomistischen politischen Kräfte auf der Krim war eine sukzessive Erhöhung des Status des Territoriums, wobei eine Option war, dass die Krim später einer erneuerten „Union der Souveränen Sowjetrepubliken" als selbständiger Gliedstaat beitreten sollte.[10]

Obwohl die seit dem 1. Januar 1992 unabhängige Ukraine Ende April 1992 ein Gesetz über den Status der Autonomen Republik Krim erlassen hatte,[10] rief das Regionalparlament der Krim am 5. Mai 1992 die staatliche Unabhängigkeit der Republik Krim aus.[10] Am nächsten Tag verabschiedete das Regionalparlament auch eine Verfassung der Republik Krim, die eine Zugehörigkeit der Krim zur Ukraine auf einer bundesstaatlichen bzw. konföderativen Grundlage vorsah.[10]

Der damalige ukrainische Präsident Leonid Kravčuk verurteilte die Ankündigung als Verletzung der ukrainischen Verfassung. Kiew bot Verhandlungen über einen Sonderstatus der Krim an, so dass das Parlament der Krim am 21. Mai 1992 seine frühere Unabhängigkeitserklärung zurückzog und die Durchführung des Referendums aussetzte.[10] Nach Protesten des ukrainischen Parlaments wurde auch die Verfassung der Krim durch das Gesetz der Republik Krim vom 25. September 1992 dem ukrainischen Recht angepasst.[10] Danach erhielt die Krim weitreichende Autonomie, insbesondere in wirtschaftlichen Angelegenheiten.[10]

Doch diese Kompromisse waren fragil. Am 27. März 1994 wurden der Bevölkerung der Krim drei Fragen vorgelegt.[10] Sie sollte bekunden, ob die suspendierte Vorschrift der Krimverfassung vom 6. Mai 1992 wieder aufleben soll, nach der die Beziehungen zwischen der Ukraine und der Krim auf der Basis von Verträgen und Abkommen geregelt werden sollten. Die zweite Frage betraf die doppelte Staatsangehörigkeit, die dritte Frage war, ob den Erlassen des Präsidenten der Krim in Angelegenheiten, die vorübergehend noch nicht durch Gesetze der Republik Krim geregelt waren, Gesetzeskraft eingeräumt werden sollte.[10]

Diese Fragen waren nicht harmlos. Sie waren Ausdruck eines tieferen Konflikts: Wer sollte die Krim kontrollieren? Die Ukraine oder die Krim selbst? Und wer sollte die Krim kontrollieren – die Ukrainer oder die Russen, die die Mehrheit der Bevölkerung bildeten?

Die Wurzeln der Spaltung: Sprache und Identität

Unter der Oberfläche dieser politischen Konflikte lag ein tieferer Konflikt: die Frage der Identität. Die sowjetische Minderheitenpolitik hatte eine tiefe Spaltung in der ukrainischen Gesellschaft geschaffen. Es gab die russischsprachigen Ukrainer und Russen, die sich als Teil der sowjetischen Zivilisation sahen. Und es gab die ukrainischsprachigen Ukrainer, die sich als unterdrückte Nation sahen, deren Kultur und Sprache marginalisiert worden waren.

Diese Spaltung war nicht natürlich, sondern sie war das Ergebnis von Jahrzehnten sowjetischer Politik. Die Sowjetunion hatte bewusst die ukrainische Sprache marginalisiert, Russisch als Lingua Franca durchgesetzt, die ukrainische Kultur als „bourgeois-nationalistisch" verdammt. Dies hatte zur Folge, dass viele Ukrainer ihre eigene Sprache nicht sprachen, ihre eigene Kultur nicht kannten.

Mit der Unabhängigkeit kam die Frage: Sollte die Ukraine sich als ukrainischsprachiger, ukrainischer Nationalstaat definieren? Oder sollte sie ein multiethnischer, multisprachiger Staat bleiben, in dem Russisch weiterhin eine wichtige Rolle spielte?

Diese Frage war nicht abstrakt – sie hatte konkrete Auswirkungen auf das Leben von Millionen von Menschen. Für die russischsprachigen Ukrainer und Russen bedeutete eine Ukrainisierung der Ukraine eine Bedrohung ihrer Identität, ihrer Karrierechancen, ihrer Stellung in der Gesellschaft. Für die ukrainischsprachigen Ukrainer bedeutete sie die Wiederherstellung ihrer unterdrückten Identität, die Befreiung von sowjetischer Herrschaft.

Die Minderheiten und die neue Ukraine: Hoffnung und Enttäuschung

Mit der Unabhängigkeit kam auch die Hoffnung auf Gerechtigkeit für die unterdrückten Minderheiten. Die Krimtataren hofften auf ihre Rückkehr, die Wiederherstellung ihrer Heimat. Die Ungarn und Rumänen hofften auf die Anerkennung ihrer Rechte, die Wiederherstellung ihrer Schulen und Kulturorganisationen. Die Juden hofften auf die Wiederherstellung ihrer Gemeinden, die Anerkennung ihrer Identität.

Doch diese Hoffnungen sollten sich nur teilweise erfüllen. Die neue Ukraine war selbst in einer schwierigen Lage. Sie musste sich als unabhängiger Staat etablieren, ihre Wirtschaft stabilisieren, ihre Grenzen sichern. Die Frage der Minderheitenrechte war wichtig, aber nicht die oberste Priorität.

Gleichzeitig gab es tiefe Spannungen zwischen der Forderung nach Ukrainisierung und der Notwendigkeit, die Rechte der russischsprachigen Bevölkerung zu schützen. Die neue ukrainische Regierung versuchte, einen Mittelweg zu finden, doch dies erwies sich als äußerst schwierig.

Fazit: Die Zeitbombe tickt

Die sowjetische Minderheitenpolitik war nicht einfach eine Frage von Ungerechtigkeit – sie war eine Zeitbombe, die darauf wartete, zu explodieren. Die Unterdrückung der Minderheiten schuf tiefe Ressentiments, die sich über Jahrzehnte aufstauten. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion begannen diese Ressentiments, sich zu manifestieren.

Die Frage der Minderheitenrechte war nicht die einzige Ursache des Konflikts, der die Ukraine in den kommenden Jahren heimsuchen würde. Aber sie war eine wichtige Ursache. Die Unterdrückung der Minderheiten hatte tiefe Wunden hinterlassen, die nicht einfach heilen konnten. Die Hoffnung auf Gerechtigkeit, die mit der Unabhängigkeit kam, konnte nicht vollständig erfüllt werden. Und diese Enttäuschung sollte sich als Katalysator für zukünftige Konflikte erweisen.

Die Geschichte der Minderheiten in der Ukraine ist eine Geschichte der Unterdrückung, Vertreibung und Vernichtung. Sie ist eine Geschichte, die zeigt, wie Imperialismus und Nationalismus zusammenwirken, um Millionen von Menschen zu unterdrücken. Und sie ist eine Geschichte, die zeigt, wie diese Unterdrückung nicht ewig andauern kann – dass sie früher oder später zu Konflikten führt, die die ganze Gesellschaft erschüttern.

Die Ukraine steht heute an einem Scheideweg. Die Fragen, die mit der Unabhängigkeit aufgeworfen wurden, sind noch nicht beantwortet. Die Hoffnungen der Minderheiten sind noch nicht erfüllt. Und die Spannungen zwischen Ukrainisierung und Russifizierung sind noch nicht gelöst. Wie die Ukraine diese Fragen beantwortet, wird nicht nur ihre eigene Zukunft bestimmen – es wird auch die Zukunft Europas beeinflussen.

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Quellenblock

[1] Minderheitenschutz im östlichen Europa, Universität Köln, Institut für Ostrecht: Die fortschrittlichen Maßnahmen zur Gewährung der Rechte von Minderheiten gab es Ende der 1920er Jahre nicht mehr.

[2] Marx21: Die Ukraine – eine Geschichte von Krieg und Unterdrückung: In einem Kommentar aus dem Exil schrieb Trotzki 1939 über die Situation in der Westukraine.

[3] Bundestag, Wissenschaftliche Dienste: Fragen zur ukrainischen Geschichte im 20. Jahrhundert: Innerhalb des Zarenreiches stellte die Ukraine die größte nationale Minderheit.

[4] Minderheitenschutz im östlichen Europa, Universität Köln: Detaillierte Darstellung der Geschichte der Deutschen in der Ukraine von Katharina II. bis zur Deportation.

[5] Minderheitenschutz im östlichen Europa, Universität Köln: Geschichte der Krimtataren, ihre Deportation und ihre Forderungen nach Rückkehr.

[6] Nora Levin, Paradox of Survival. The Jews in the Soviet Union Since 1917, Volume: Zitiert in Minderheitenschutz im östlichen Europa, Universität Köln.

[7] Geschichte der Ukraine kurz gefasst, Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg: Die Volksbewegung „Ruch" und die ersten freien Wahlen 1990.

[8] Das Völkerrecht der Gebietsreferenden, Zeitschrift Osteuropa: Die Souveränitätserklärung vom 16. Juli 1990 und die Unabhängigkeitserklärung vom 24. August 1991.

[9] Referendum über die Unabhängigkeit der Ukraine, Wikipedia: Das Referendum vom 1. Dezember 1991 mit 90,3 Prozent Zustimmung.

[10] Das Völkerrecht der Gebietsreferenden, Zeitschrift Osteuropa: Detaillierte Darstellung der Ereignisse auf der Krim von 1991 bis 1994.

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