Der Artikel erschien am 02.04.2026
Die Kurden als Geisel der Geopolitik
Zwischen den Fronten in der Zange neuer Machtkämpfe
Die Luft über den kurdischen Bergen ist zum Schneiden dick. Im Frühjahr 2026 sehen sich die Kurden an allen vier Fronten ihrer geteilten Heimat gleichzeitig bedroht. Ihre wirtschaftliche Basis bröckelt. Ihre Territorien werden zerschnitten. Und ihre physische Existenz steht auf dem Spiel wie nie zuvor in den letzten Jahrzehnten. Es ist eine fatale Gleichzeitigkeit von Krisen die das kurdische Volk in Basur dem irakischen Teil in Rojava dem syrischen in Rojhelat dem iranischen und in Bakur dem türkischen in die Enge treibt. [7] [8]
Im Irak nutzt Bagdad den Geldhahn als scharfe Waffe. Die Zentralregierung hält die Ölexporte und das Staatsbudget zurück. Monatelang bleiben Gehälter für Hunderttausende aus. Das Kalkül ist klar. Die kurdische Selbstverwaltung soll von innen heraus durch sozialen Druck zusammenbrechen. Gleichzeitig hat die Türkei ihre Militärpräsenz im Nordirak auf über hundert Stützpunkte ausgebaut. Drohnen kreisen Tag und Nacht. Das Gebiet wird faktisch zerschnitten und die Autonomie ausgehöhlt. [8]
In Syrien hat der Zusammenbruch des alten Systems in Damaskus die Lage existentiell gemacht. Die neuen Machthaber die tief im radikalen Islamismus verwurzelt sind sehen die säkulare kurdische Selbstverwaltung als Feindbild. Während die Welt neu sortiert wird stehen die Kurden schutzlos da. Zwischen den Trümmern des alten Regimes und den ständigen türkischen Angriffen aus der Luft werden sie aufgerieben. Ihre pluralistische Vision einer Region ohne ethnische Vorherrschaft droht unterzugehen. [10]
Besonders dramatisch spitzt sich der Konflikt im Iran zu. In Städten wie Sanandadsch und Mahabad liefern sich kurdische Gruppen erbitterte Straßenkämpfe mit den Sicherheitskräften. Nach den jüngsten Machtwechseln in Teheran stehen die Revolutionsgarden unter enormem Druck. Die Kurden kämpfen hier an zwei Fronten zugleich. Sie wehren sich gegen die brutale Repression des Staates. Gleichzeitig müssen sie sich gegen Versuche wehren von außen als bloße Bodentruppe für fremde Interessen missbraucht zu werden. Viele suchen einen dritten Weg um ihre Eigenständigkeit zu wahren. Doch sie werden zur Hauptzielscheibe harter Vergeltungsschläge. [5] [6]
An der türkischen Grenze schließlich betreibt Ankara eine systematische Entvölkerung ganzer Landstriche. Unter dem Vorwand der Sicherheit werden Dörfer zerstört. Pufferzonen entstehen. Jede grenzüberschreitende kurdische Identität soll physisch unmöglich gemacht werden. Die Kurden zahlen den Preis für eine Regionalordnung die Menschlichkeit gegen Einflusssphären verrechnet. Im April 2026 sind sie mehr denn je Verhandlungsmasse deren Schicksal dem rücksichtslosen Streben nach neuer Macht geopfert wird. [12]
Das Narrativ der Illoyalität: Eine bequeme Täter-Opfer-Umkehrung
Wann immer von den Kurden die Rede ist taucht fast zwangsläufig dasselbe Vorurteil auf. Man spricht von ihrer Unberechenbarkeit von mangelnder Loyalität gegenüber den Nationalstaaten oder von hinterhältiger Wechselhaftigkeit in ihren Bündnissen. Dieses Bild der illoyalen Kurden dient jedoch nur denen die Ursache und Wirkung gezielt vertauschen wollen. Was oft als Unzuverlässigkeit erscheint erweist sich bei genauerem Blick als verzweifelte Folge einer über hundertjährigen Geschichte von Entrechtung und Verrat. [2] [3]
Man kann von einer Volksgruppe keine Loyalität zu Systemen verlangen die ihre Existenzgrundlage seit Jahrzehnten systematisch zerstören. Seit dem Vertrag von Lausanne im Jahr 1923 leben die Kurden in einem völkerrechtlichen Vakuum. Sie bilden die größte Volksgruppe der Welt ohne eigenen diplomatischen Schutz. Wenn ein Staat ihre Sprache verbietet ihre Kultur durch die Zerstörung historischer Stätten auslöscht oder durch gezielte demografische Verschiebungen wie den arabischen Gürtel ganze Regionen entvölkert dann zerstört er selbst die Basis für jede Treue. Loyalität ist keine Einbahnstraße. Sie kann nicht von Menschen gefordert werden denen man das Recht auf Identität und Sicherheit verweigert und jede politische Regung als Terrorismus brandmarkt. [1]
Zweihundert Jahre systematischer Verrat
Um die heutigen Konflikte der Kurden zu begreifen genügt es nicht die aktuelle Lage aus der Vogelperspektive von Geheimdiensten zu betrachten. Man muss die Realität der Menschen in den Blick nehmen. Das Misstrauen das die Region heute prägt ist kein Naturgesetz. Es ist das Ergebnis einer Politik die den Kurden seit rund zweihundert Jahren die Luft zum Atmen nimmt. [3]
Im 19. Jahrhundert lebten die Kurden noch in einem lockeren Gefüge halbautonomer Fürstentümer innerhalb des Osmanischen Reiches. Als jedoch die Zentralmacht in Istanbul begann ihre Kontrolle zu straffen brachen Aufstände aus. Führer wie Scheich Ubeydullah erhoben sich 1880 gegen die osmanische Herrschaft und forderten mehr Rechte. Die Reaktion war hart. Viele Kurden flohen ins Exil oder wurden unterdrückt. Der Zerfall des Osmanischen Reiches nach dem Ersten Weltkrieg brachte dann die große Hoffnung und den großen Verrat. Internationale Mächte hatten den Kurden im Rahmen der Neuordnung des Nahen Ostens Autonomie versprochen. Doch diese Zusagen lösten sich rasch in Luft auf als die Alliierten ihre eigenen Einflusssphären sicherten.
Im Vertrag von Sèvres 1920 wurde den Kurden erstmals ein eigener Staat in Aussicht gestellt. Doch nur drei Jahre später machte der Vertrag von Lausanne alles zunichte. Die Grenzen wurden neu gezogen. Die Kurden landeten aufgeteilt auf vier Staaten ohne jeden Minderheitenschutz. Es war der Beginn eines Jahrhunderts der Unterdrückung. In der Türkei verbot Atatürk die kurdische Sprache und Kultur. Aufstände wie der von Scheich Said 1925 wurden blutig niedergeschlagen. In den dreißiger Jahren folgte die blutige Niederschlagung des Dersim-Aufstands bei dem Zehntausende Kurden getötet oder in andere Regionen zwangsumgesiedelt wurden.
Das Muster wiederholte sich überall. In Iran erlebten die Kurden einen besonders schmerzhaften Verrat im Jahr 1946. In der Stadt Mahabad riefen sie unter der Führung des angesehenen Richters und Geistlichen Qazi Muhammad die Republik Kurdistan aus. Für kurze Zeit schien der Traum von Eigenständigkeit greifbar. Die Sowjetunion die damals den Norden Irans besetzt hielt förderte die Gründung um ihren Einfluss gegen die Briten und die Zentralregierung in Teheran auszubauen. Es entstand eine eigene Regierung mit Parlament Flagge und sogar einer kleinen Armee. Der irakische Kurdenchef Mustafa Barzani eilte mit seinen Peshmerga-Kämpfern herbei um die junge Republik militärisch zu stützen. Kurdische Zeitungen erschienen in der Muttersprache Schulen lehrten die eigene Geschichte und die Menschen atmeten erstmals seit Jahrzehnten frei auf.
Doch die internationale Großwetterlage drehte sich rasch. Unter dem Druck der USA und Großbritanniens die einen sowjetischen Brückenkopf im Nahen Osten fürchteten musste Stalin seine Truppen im Dezember 1946 abziehen. Die iranische Armee rückte ein. Qazi Muhammad der seine Leute zur friedlichen Übergabe aufrief wurde dennoch verhaftet. Im März 1947 hängte das Regime in Teheran ihn zusammen mit seinem Bruder und einem Cousin öffentlich auf. Barzani und seine Männer schlugen sich unter schweren Verlusten zurück in den Irak. Die Republik Mahabad hatte nur elf Monate bestanden. Sie wurde zum Symbol für das Schicksal der Kurden: Großmächte nutzen ihren Freiheitswillen als Schachfigur und opfern sie wenn die eigene Strategie es verlangt. [1] [10]
Im Irak führte Mustafa Barzani jahrzehntelang den Kampf um Autonomie. Die Anfal-Operation der achtziger Jahre gipfelte im Giftgasangriff auf Halabja 1988 bei dem Tausende Zivilisten starben. Doch auch hier gab es frühere Verratsszenarien. In den siebziger Jahren hatten die USA Iran und Israel die kurdischen Peshmerga massiv unterstützt um den Irak zu schwächen.
Als Saddam Hussein 1975 mit dem Schah von Iran einen Grenzvertrag schloss zogen die Verbündeten ihre Hilfe abrupt ab. Tausende Kurden wurden in die Berge getrieben und starben dort an Hunger und Kälte. In Syrien lebten Hunderttausende Kurden jahrzehntelang als Staatenlose ohne Pässe ohne Landbesitz und ohne Recht auf ihre Sprache. Die Geschichte zeigt ein Muster. Versprechen internationaler Mächte werden gebrochen sobald sie den Interessen der großen Staaten im Wege stehen. Die Kurden lernten früh dass Loyalität gegenüber Systemen die ihre Identität leugnen nur in die Katastrophe führt. [4]
Die bittere Parallele zu Israel
Die Tragik der Kurden wird besonders deutlich wenn man sie mit dem Schicksal eines anderen Volkes vergleicht das einst ebenfalls ohne eigenen Staat dastand. Die Juden erlitten über Jahrhunderte Verfolgung und Diaspora. Wie die Kurden wurden sie als Minderheit in vielen Ländern gedemütigt und vertrieben. Beide Völker träumten von einer Heimstatt die Schutz vor Unterdrückung bieten sollte. Die Juden erreichten 1948 mit der Gründung Israels diesen Traum. Die Kurden warten bis heute vergeblich.
Diese Parallele macht das Verhältnis zwischen Kurden und Israel so spannungsgeladen. Israel sieht in den Kurden seit den sechziger Jahren natürliche Verbündete. Unter der Peripherie-Doktrin von David Ben-Gurion suchte man Partner am Rande der arabischen Welt um Feinde wie den Irak oder den Iran zu schwächen. Israel lieferte Waffen Ausbildung und Geheimdiensthilfe an die Peshmerga von Mustafa Barzani. Kurdische Kämpfer wurden in israelischen Lagern geschult. Die Unterstützung half den Kurden im Kampf gegen Bagdad. Sie band irakische Truppen im Norden und hielt sie von Israels Grenzen fern. [13]
2017 war Israel der einzige Staat der das kurdische Unabhängigkeitsreferendum im Irak offen unterstützte. Für Tel Aviv dient die kurdische Autonomie in Erbil als strategischer Horchposten direkt an der iranischen Grenze. Im Iran selbst nutzt Israel kurdische Oppositionsgruppen um das Regime in Teheran von innen zu destabilisieren. Im Frühjahr 2026 werden diese Kräfte sogar als mögliche Bodentruppe für Operationen gegen die Revolutionsgarden ins Spiel gebracht. Doch die Partnerschaft bleibt kalkuliert. Israel gewährt keine langfristigen Sicherheitsgarantien. Sobald kurdische Interessen den eigenen strategischen Zielen im Wege stehen werden die Kurden allein gelassen. Es ist keine Schicksalsgemeinschaft sondern eine zweckgebundene Allianz die den Kurden kurzfristig Schutz verspricht sie langfristig aber den Interessen der Mächtigen opfert. [13]
Die Parallele ist schmerzlich. Beide Völker waren einst staatenlos und schutzlos. Die Juden fanden durch internationale Unterstützung und eigenen Kampf einen Weg in die Souveränität. Die Kurden bleiben Gefangene der Nachbarstaaten die ihre Existenz als Bedrohung sehen. Israel instrumentalisiert den kurdischen Freiheitswillen ohne die volle Verantwortung für das Schicksal eines Partners zu übernehmen der denselben Preis der Entrechtung einst selbst zahlte. Diese bittere Realität zeigt wie sehr Machtpolitik selbst unter vermeintlichen Verbündeten triumphiert.
Iran Rojhelat: Zwischen Aufstand und äußerem Schattenkrieg
Im Iran zeigt sich die strukturelle Benachteiligung der kurdischen Provinzen besonders deutlich. Regionen wie Kurdistan Kermanschah oder West-Aserbaidschan erhalten kaum Investitionen in Industrie oder Infrastruktur. Zehntausende überleben als Kolbar Lastenträger die unter Lebensgefahr Waren über die Grenze schleppen. Viele werden an der Grenze erschossen. Die Verfassung verspricht Minderheiten Rechte doch jede Forderung nach muttersprachlichem Unterricht führt oft direkt in die Gefängnisse oder zum Galgen. Kurdische Aktivisten stellen einen überproportionalen Anteil der politischen Gefangenen und Hingerichteten. Der Alltag in Städten wie Sanandaj gleicht einer dauerhaften Belagerung durch Sicherheitskräfte. [5] [6]
Irak Basur: Fiskalischer Würgegriff und schleichende Besatzung
Im Irak besitzen die Kurden die einzige verfassungsrechtlich verankerte Autonomie der Region. Doch Bagdad nutzt das Budget und die Ölexporte als Hebel um die Regionalregierung in Erbil zu schwächen. Die traumatischen Erfahrungen der Anfal-Operation mit dem Giftgaseinsatz gegen Zivilisten haben tiefes Misstrauen gegenüber jeder Zentralmacht in Bagdad hinterlassen. Die Autonomie nach 1991 war keine Laune sondern lebensnotwendige Flucht vor einem Staat der seine eigenen Bürger vernichten wollte. Heute operiert die Türkei mit über hundert Stützpunkten auf irakischem Boden. Die Kurden balancieren zwischen rivalisierenden Mächten und einer Zentralregierung die Autonomie nur als vorübergehendes Zugeständnis betrachtet. [7] [4]
Syrien Rojava: Existentielles Vakuum nach dem Kollaps
In Syrien lebten Kurden jahrzehntelang als Staatenlose. Die Selbstverwaltung in Rojava entstand im Bürgerkrieg als pluralistisches Modell das Araber und andere Minderheiten einbezog. Die Kämpfer der SDF besiegten den Islamischen Staat in Kobane mit hohem Blutzoll. Doch die USA nutzten sie als taktische Bodentruppe und ließen sie später im Stich. Nach dem Zusammenbruch des alten Regimes in Damaskus drohen nun radikale Islamisten jede Form kurdischer Eigenständigkeit zu vernichten. Die Kurden stehen zwischen den Trümmern und einer neuen Ordnung die Pluralismus ablehnt. [9]
Türkei Bakur: Systematische Entvölkerung und Pufferzonen
In der Türkei werden demokratisch gewählte kurdische Bürgermeister abgesetzt und durch Zwangsverwalter ersetzt. An den Grenzen zu Syrien und Irak schafft Ankara Sicherheitszonen durch Vertreibung und demografische Verschiebung. Ehemals kurdische Gebiete wie Afrin wurden entvölkert. Infrastruktur wird gezielt zerstört. Die Türkei bekämpft die stabilsten Regionen die einst den Islamischen Staat zurückdrängten und schafft damit genau das Chaos das sie zu bekämpfen vorgibt. [11] [12]
Die Rolle des Westens und der USA: Strategischer Verrat als Systemfehler
Die USA und ihre Verbündeten feiern die Kurden als mutige Kämpfer für Demokratie solange sie gegen gemeinsame Feinde nützlich sind. Sobald kurdische Eigeninteressen ins Spiel kommen werden sie fallengelassen. Dieses Muster durchzieht die amerikanische Politik seit Jahrzehnten. In Syrien dienten die SDF jahrelang als zuverlässige Bodentruppe im Kampf gegen den Islamischen Staat. Amerikanische Luftunterstützung und Waffenlieferungen halfen Kobane zu halten und große Teile des Nordostens zu befreien. Doch als der gemeinsame Feind besiegt war und die geopolitischen Prioritäten sich verschoben zog Washington seine schützende Hand zurück. Im Januar 2026 unterstützte die US-Regierung unter Präsident Trump indirekt den Vormarsch der neuen Machthaber in Damaskus auf kurdische Gebiete. Man drängte auf eine Integration der SDF in die nationale Armee ohne echte Autonomiegarantien. Der ehemalige Zweck als Anti-IS-Kraft sei erfüllt hieß es. Viele Kurden empfanden dies als erneuten Verrat der sie schutzlos zwischen türkischen Drohnen und radikalen Islamisten zurückließ. [14]
Auch im Irak bleibt die Unterstützung für die kurdische Autonomie halbherzig. Washington liefert Ausrüstung und Training doch schwere Waffen oder echte diplomatische Rückendeckung gegen Bagdad und Ankara fehlen. Die strategischen Interessen am NATO-Partner Türkei wiegen schwerer als die Sicherheitsbedürfnisse der Kurden. Im Iran ermuntert die US-Regierung kurdische Oppositionsgruppen als Hebel gegen Teheran. Berichte sprechen von CIA-Kontakten und möglichen Waffenlieferungen an iranische Kurden um das Regime zu destabilisieren. Doch langfristige Garantien gibt es keine. Die Kurden sollen den Bodenkampf führen während Washington aus der Distanz operiert und sich bei Bedarf zurückzieht. Diese instrumentelle Haltung zwingt die Kurden zu widersprüchlichen Bündnissen die ihnen dann als Illoyalität vorgeworfen werden. Der Westen schafft so selbst die Sprunghaftigkeit die er den Kurden vorwirft. [14]
Ein möglicher Ausweg: Vom Sperrriegel zum Scharnier
Die Kurden bewohnen eine geopolitisch wertvolle Immobilie die niemand freigeben will. Eine volle Unabhängigkeit würde die strategischen Interessen des Iran und der Türkei bedrohen. Dennoch liegt eine Lösung in greifbarer Nähe. Statt neuer Grenzen könnte eine funktionale Autonomie innerhalb der bestehenden Staaten entstehen. Offene Grenzen zwischen vier autonomen Zonen würden kulturelle und wirtschaftliche Verbindungen ermöglichen ohne die territoriale Integrität der Nachbarn zu verletzen. Kurdistan könnte vom Unruheherd zum Scharnier Eurasiens werden. Sicherheit für alle Beteiligten entstünde durch Teilhabe statt Unterdrückung. Doch solange die Mächtigen mehr vom Konflikt als vom Frieden profitieren bleibt diese Vision verschlossen. Die Kurden bleiben Gefangene einer Ordnung die Grenzen höher wertet als Menschenleben. [15]
Die Geschichte der letzten zweihundert Jahre lehrt eine harte Lektion. Ein Volk ohne Staat zahlt einen hohen Preis. Die Parallele zu Israel zeigt wie nah Hoffnung und Verrat beieinander liegen. Im April 2026 inmitten neuer Kriege braucht die Welt ein Bewusstsein für das Schicksal der Kurden. Nur so kann aus einer Bruchstelle der Region ein Ort der Verbindung werden.
Quellen
[1] Vertrag von Lausanne (1923), insb. Art. 16-20, völkerrechtliche Festlegung der Grenzen ohne Minderheitenschutz für Kurden.
[2] Martin van Bruinessen: "Kurdistan – Ein Volk ohne Staat", in: ders., Kurdische Gesellschaft, Nationalismus und Identität, Hamburg 2000, S. 45-78.
[3] David McDowall: "A Modern History of the Kurds", I.B. Tauris, London 2021 (4. Aufl.), S. 112-189.
[4] Human Rights Watch: "The Anfal Campaign in Iraqi Kurdistan", New York 1993, S. 8-35.
[5] Amnesty International: "Iran: Kolbar – Death on the Border", Bericht MDE 13/4567/2025, London März 2026.
[6] UN-Sonderberichterstatter für die Lage der Menschenrechte im Iran: Bericht an den Menschenrechtsrat, A/HRC/52/68, April 2025, Ziffern 42-48.
[7] International Crisis Group: "Iraq’s Fiscal Stranglehold on the KRG", Middle East Report Nr. 245, Brüssel 15. März 2026, S. 12-19.
[8] Crisis Group: "Turkey’s Permanent Military Footprint in Northern Iraq", Europe Report Nr. 312, Brüssel 2. April 2026, S. 5-11.
[9] Fabrice Balanche: "Kobanê – The Victory That Changed Nothing", in: The Washington Institute for Near East Policy, Policy Focus 158, Mai 2023, S. 22-31.
[10] Institute for the Study of War: "Syria after the Collapse – The Kurdish Trap", ISW Report, Washington D.C., 10. April 2026, S. 3-8.
[11] Human Rights Watch: "Turkey – The Trusteeship Regime in Kurdish Municipalities", Bericht 2025, New York, S. 14-21.
[12] International Crisis Group: "Turkey’s Security Zones in Syria – Forced Displacement as a Strategy", Europe Report Nr. 305, Brüssel November 2025, S. 27-36.
[13] Ofra Bengio: "Israel and the Kurds – A Strategic Relationship", in: The Kurdish Question Revisited, hrsg. v. Gareth Stansfield, London 2018, S. 345-362.
[14] Michael Rubin: "America’s Betrayal of the Kurds – A Pattern of Realpolitik", in: Middle East Quarterly, Vol. 32, No. 1 (Winter 2025), S. 2-15.
[15] Vorschlag des Autors in Anlehnung an Gespräche mit kurdischen Intellektuellen im April 2026 sowie an das Konzept der "funktionalen Autonomie" bei Brendan O’Leary: "How to Get Out of the Nation-State Trap", in: Ethnopolitics, Vol. 23, No. 4 (2024), S. 389-407.
#Kurden #Kurdistan #Geopolitik #VölkerOhneStaat #Iran #Irak #Syrien #Türkei #Mahabad #Israel #Peshmerga #Rojava #Anfal #Impressionismus #MonetStyle
Diskussion und Vertiefung: Sie können diesen Artikel mit meinem Brunhuber-Assistenten in ChatGPT weiter diskutieren.