Die Autobahnen der Intelligenz

Der Artikel erschien am 20.02.2026

Die Autobahnen der Intelligenz

Wie zwei Brüder die Rechenmacht der Welt demokratisieren wollen

Es ist eine jener Geschichten, wie sie das digitale Zeitalter immer wieder hervorbringt und die doch an alte ökonomische Lehrstücke erinnert. Zwei Brüder, geprägt von frühen Erfolgen und schmerzhaften Niederlagen, treten an, um eine Infrastrukturfrage zu lösen, die größer ist als jedes einzelne Unternehmen. Daniil und David Liberman heißen sie. Ihr Projekt nennt sich Gonka (https://gonka.ai/). Ihr Anspruch ist nichts Geringeres als die Demokratisierung der künstlichen Intelligenz.

In einer Epoche, in der sich Rechenzentren wie Kathedralen aus Stahl und Silizium über die Landschaften Amerikas und Asiens erheben, in der die Macht über Daten und Algorithmen in wenigen Konzernzentralen konzentriert ist, formulieren die Libermans einen Gegenentwurf. Sie sprechen von Autobahnen statt von Wolkenkratzern. Sie sprechen von Souveränität statt von Abhängigkeit. Und sie sprechen von einer Zukunft, in der nicht einige wenige Unternehmen, sondern Millionen von Menschen über die produktivste Technologie der Menschheitsgeschichte verfügen sollen [1].

Wer die Biografie der Brüder betrachtet, erkennt ein Muster. Daniil, geboren am 21. Dezember 1982 in Moskau, und David, geboren am 22. Februar 1984 ebenfalls in Moskau, wuchsen als Söhne zweier Biophysiker in einem akademisch geprägten Umfeld der späten Sowjetzeit auf. Der Vater war Träger des Staatspreises der UdSSR, die Mutter forschte ebenfalls im naturwissenschaftlichen Bereich. Früh wurden die Brüder in mathematisch naturwissenschaftlichen Eliteschulen ausgebildet. Diese Prägung zwischen wissenschaftlicher Strenge und postsowjetischer Umbruchwirklichkeit hinterließ Spuren. Ihre Laufbahn ist kein geradliniger Aufstieg, sondern eine Abfolge von Experimenten mit Infrastruktur. In ihrer Heimat gründeten sie einen Glasfaseranbieter. Sie verlegten Kabel in unterversorgte Moskauer Stadtviertel und finanzierten den Ausbau über Konsumentenkredite. Es war ein pragmatisches Unterfangen, geboren aus der Erkenntnis, dass digitale Teilhabe an physischen Leitungen hängt. Infrastruktur ist Macht. Wer sie kontrolliert, bestimmt die Spielregeln.

Von Moskau nach Los Angeles: Der Weg in das Zentrum der digitalen Ökonomie

Ab 2010 begannen sie, ihre Aktivitäten zunehmend in die Vereinigten Staaten zu verlagern und bauten zunächst in Los Angeles eine operative Präsenz auf. Der endgültige Schritt in die USA erfolgte um 2015, als sie ihre unternehmerische Zukunft dauerhaft dort verankerten. Auch dieser Ortswechsel war weniger ein Bruch als die logische Fortsetzung ihres Denkens. Wer Infrastruktur gestalten will, muss dorthin gehen, wo Kapital, Technologie und globale Märkte zusammentreffen.

Später folgte mit Sibilant Interactive ein Ausflug in die Welt der Online Spiele. Das Studio wuchs auf rund hundertfünfzig Mitarbeiter an, bevor die Finanzkrise von 2008 das Unternehmen in die Insolvenz zwang. Für viele wäre dies das Ende gewesen. Für die Libermans war es eine Schule. Sie lernten, was Skalierung bedeutet, wie komplex Produktionsprozesse werden können und wie fragil Wachstumsmodelle sind, wenn makroökonomische Schocks eintreten. Sie lernten, dass Technologie ohne nachhaltige Struktur zur Illusion wird. Es folgte Concept Space, ein Unternehmen für Motion Capture und computergenerierte Animation. Hier kamen die Brüder erstmals ernsthaft mit maschinellem Lernen in Berührung. Algorithmen halfen, Bewegungen zu interpretieren, Bilder zu erzeugen, Prozesse zu automatisieren. Die Begegnung mit künstlicher Intelligenz war kein theoretischer Diskurs, sondern praktische Erfahrung. Später gründeten sie in den Vereinigten Staaten Frank.Money, eine Plattform für transparente Mittelverwendung im Finanzsektor [2]. Auch hier ging es um Systemfragen, um Sichtbarkeit von Strukturen, um die Frage, wer Ressourcen kontrolliert.

Den vorläufigen Höhepunkt ihrer unternehmerischen Laufbahn markierte Kernel AR, eine Augmented Reality Plattform für Avatare, die 2016 von Snap übernommen wurde [9]. Wieder ging es um digitale Identitäten, um die Verschmelzung von physischer und virtueller Welt. Wer diese Stationen zusammennimmt, erkennt eine Linie. Die Libermans interessieren sich weniger für einzelne Anwendungen als für die Architekturen dahinter. Heute richten sie ihren Blick auf das Fundament der künstlichen Intelligenz. Nicht auf Chatbots oder Bildgeneratoren, sondern auf die Rechenleistung, die all diese Systeme antreibt. In ihren öffentlichen Stellungnahmen zeichnen sie ein Szenario von fast apokalyptischer Wucht. Die Erde stehe vor einer Phase, in der rund zehn Milliarden autonome Roboter oder KI Agenten produktiv tätig sein könnten [1]. Jeder Mensch verfüge dann über digitale Stellvertreter, die arbeiten, handeln, analysieren. Die Produktivität der Zivilisation würde sich vervielfachen.

Doch mit dieser Explosion der Leistungsfähigkeit gehe eine Machtfrage einher. Wenn die Rechenressourcen, die diese Agenten betreiben, in den Händen einiger weniger Konzerne liegen, entstehe eine neue Form des Feudalismus. Digitale Lehnsherren kontrollierten die Infrastruktur. Die Masse der Nutzer würde zu Pächtern ihrer eigenen Daten und Algorithmen. Die Libermans halten dieses Szenario für eine historische Gefahr. Ihre Antwort heißt Gonka AI [3][5]. Es handelt sich um ein dezentrales Netzwerk, das Rechenleistung von Grafikprozessoren weltweit bündelt. Besitzer von GPUs können ihre Hardware an das Netzwerk anschließen, KI Aufgaben ausführen und dafür mit einem Token namens GNK entlohnt werden. Entwickler, die Rechenkapazität benötigen, greifen auf diese verteilte Infrastruktur zu, ohne sich einem einzelnen Cloud Anbieter unterwerfen zu müssen.

Der Gedanke ist nicht völlig neu. Seit der Entstehung von Bitcoin existiert die Idee, dass verteilte Rechner durch ein gemeinsames Protokoll koordiniert werden können. Doch die Libermans setzen an einem neuralgischen Punkt an. Klassische Blockchain Systeme verwenden das sogenannte Proof of Work Verfahren. Rechner lösen kryptographische Rätsel, um die Integrität des Netzwerks zu sichern. Der ökonomische Anreiz besteht im Erhalt neu geschaffener Münzen. Kritiker bemängeln seit Jahren, dass enorme Energiemengen in mathematische Aufgaben fließen, die keinen direkten gesellschaftlichen Nutzen haben. Gonka versucht, diesen Widerspruch aufzulösen. Die Brüder sprechen von einem nützlichen Arbeitsnachweis [10]. Statt Rechenzyklen für abstrakte Hash Funktionen zu verbrauchen, werden sie für KI Inferenz eingesetzt. Inferenz ist jener Prozess, bei dem ein trainiertes Modell Eingabedaten verarbeitet und daraus eine Vorhersage oder Antwort erzeugt. Mit anderen Worten. Die gleiche Energie, die bislang digitale Münzen absicherte, soll reale Anwendungen betreiben.

Technisch realisieren die Libermans dies durch ein transformerbasiertes Verfahren, das sie als Transformer Based Proof of Work bezeichnen. Intern kursiert der Name Sprint. Die Idee besteht darin, die mathematischen Eigenschaften neuronaler Netze so zu nutzen, dass sich berechnete Ergebnisse überprüfen lassen. Ein Knoten im Netzwerk erhält eine Aufgabe, führt Inferenzschritte aus und liefert einen Nachweis. Validatoren rekonstruieren das Modell mit denselben Startparametern und prüfen, ob das Ergebnis innerhalb definierter Toleranzen liegt. Die Validierung ist dabei wesentlich effizienter als die ursprüngliche Berechnung. Damit bleibt das System ökonomisch sinnvoll. Wer versucht zu betrügen, indem er Ergebnisse manipuliert oder Rechenleistung vortäuscht, würde bei der unabhängigen Überprüfung auffallen. Die Trennung von Berechnung und Kontrolle schafft Vertrauen in einer Umgebung, die ohne zentrale Instanz auskommen will.

Seit dem Start des Mainnets im August 2025 hat das Netzwerk nach Angaben der Gründer eine Rechenleistung aufgebaut, die mehr als zehntausend NVIDIA H100 Grafikprozessoren entspricht. Für eine Infrastruktur, die ohne zentrale Rechenzentren auskommt, ist dies eine bemerkenswerte Zahl. Sie deutet darauf hin, dass ein Markt für dezentrale Rechenkapazität existiert. GPU Besitzer suchen nach Möglichkeiten, ihre Hardware jenseits traditioneller Mining Aktivitäten einzusetzen. Entwickler suchen nach Alternativen zu teuren Cloud Angeboten.Die ökonomische Logik des GNK Tokens folgt einem einfachen Prinzip. Vergütet wird nicht spekulatives Halten, sondern verifizierte Rechenarbeit. Die Preise für bestimmte KI Aufgaben sollen sich dynamisch nach Angebot und Nachfrage richten. Steigt die Nachfrage nach Inferenz für ein bestimmtes Modell, erhöht sich die Entlohnung für jene Knoten, die diese Aufgaben übernehmen. Entwickler sehen transparent, welche Ressourcen knapp sind und können ihre Projekte entsprechend planen.

Künstliche Intelligenz, Kryptographie und der Kampf um die Rechenhoheit

Diese Marktmechanik erinnert an Argumente, die auf brunhuber.com in anderem Zusammenhang formuliert wurden. Dort wurde wiederholt betont, dass dezentrale Systeme Preissignale effizienter verarbeiten als zentral geplante Strukturen. Ob in der Energiewirtschaft oder im Finanzsystem. Wettbewerb und Transparenz gelten als Voraussetzungen für nachhaltige Allokation. Gonka überträgt diese Logik auf den Markt für Rechenleistung. Die Libermans verweisen in ihren Ausführungen häufig auf historische Parallelen. Während der Dotcom Blase der neunziger Jahre wurden weltweit Glasfasernetze verlegt. Viele Investoren verloren ihr Kapital. Doch die physische Infrastruktur blieb bestehen und bildete die Grundlage für das Internetzeitalter. Ähnlich könne die heutige Investitionswelle in künstliche Intelligenz enden. Spekulative Exzesse könnten korrigiert werden. Was bleibe, sei jedoch eine intelligente Infrastruktur, die langfristig Wert schaffe.

Gleichzeitig richten sie den Blick auf die ökonomischen Herausforderungen der etablierten KI Anbieter. Unternehmen wie OpenAI stehen vor gigantischen Investitionssummen für Rechenzentren und Hardware. Die Diskrepanz zwischen notwendigen Infrastrukturaufwendungen und realisierten Umsätzen wirft Fragen nach der Nachhaltigkeit des Modells auf. Selbst optimistische Prognosen gehen davon aus, dass weitere Milliardenbeträge erforderlich sind, um die ambitionierten Wachstumsziele zu finanzieren. Vor diesem Hintergrund erscheint der dezentrale Ansatz als Versuch, Kapitalkosten auf viele Schultern zu verteilen.

Auch geopolitisch besitzt die Debatte Brisanz. Rechenzentren sind nicht nur wirtschaftliche, sondern strategische Ressourcen. Staaten investieren Milliarden, um technologische Souveränität zu sichern. Wenn künstliche Intelligenz zur entscheidenden Produktionskraft wird, entscheidet der Zugang zu Rechenleistung über Wettbewerbsfähigkeit. Ein global verteiltes Netzwerk könnte hier eine Alternative zu nationalstaatlich oder konzernseitig kontrollierten Clustern darstellen. Auf brunhuber.com wurde wiederholt argumentiert, dass Souveränität im digitalen Zeitalter neu gedacht werden muss. Nicht als Abschottung, sondern als Fähigkeit, eigene Infrastrukturen zu nutzen und zu gestalten. Gonka fügt sich in diese Argumentation ein. Es geht nicht um Autarkie, sondern um die Vermeidung einseitiger Abhängigkeiten.

Natürlich sind Zweifel angebracht. Dezentrale Systeme stehen vor Koordinationsproblemen. Latenzzeiten, Sicherheitsfragen, regulatorische Unsicherheiten können die Effizienz mindern. Zudem ist unklar, ob verteilte GPU Ressourcen langfristig mit hochoptimierten Rechenzentren konkurrieren können. Die Libermans selbst betonen, dass ihr Netzwerk zunächst auf Inferenz fokussiert ist, da diese Aufgaben leichter parallelisierbar sind als das Training großer Modelle.Doch vielleicht liegt gerade hierin die Stärke des Projekts. Es versucht nicht, bestehende Strukturen frontal zu ersetzen, sondern ergänzt sie. Während zentrale Anbieter weiterhin neue Modelle trainieren, könnte die Ausführung dieser Modelle zunehmend dezentral erfolgen. Ein hybrides Ökosystem entstünde, in dem Rechenleistung nicht mehr ausschließlich in gigantischen Serverfarmen konzentriert ist.

Die Vision der Brüder bleibt indes größer. Sie sprechen von einer Zukunft, in der jeder Mensch über einen digitalen Zwilling verfügt, der autonom agiert. Diese Vorstellung mag futuristisch klingen. Doch bereits heute übernehmen KI Systeme Aufgaben in Kundenservice, Datenanalyse und Prozessautomatisierung. Die Skalierung dieser Anwendungen könnte tatsächlich zu einer massiven Produktivitätssteigerung führen. Die entscheidende Frage lautet, wer von dieser Produktivität profitiert. Wenn die Infrastruktur wenigen gehört, konzentriert sich auch der Ertrag. Wenn sie vielen gehört, verteilt sich der Gewinn breiter. In dieser Logik erscheint Gonka weniger als technisches Experiment denn als politisches Projekt im Gewand eines Protokolls.

Der Vergleich mit Bitcoin drängt sich auf. Satoshi Nakamoto schuf ein Geldsystem ohne zentrale Bank. Die Libermans wollen ein Rechensystem ohne zentrale Cloud. Beide Ansätze setzen auf Kryptographie, auf ökonomische Anreize, auf die Koordination durch Code. Beide appellieren an ein Misstrauen gegenüber zentraler Macht. Ob Gonka sich dauerhaft durchsetzt, ist offen. Technologische Innovation allein garantiert keinen Erfolg. Märkte sind launisch, Regulierungen unberechenbar, Konkurrenz schläft nicht. Andere Initiativen wie COCOON auf der TON Blockchain oder Tethers QVAC zeigen, dass das Feld in Bewegung ist. Dezentralisierung ist kein Monopol einer einzelnen Plattform.

Doch selbst wenn Gonka in seiner heutigen Form eines Tages verschwände, könnte die dahinterstehende Idee fortwirken. Die Vorstellung, dass Rechenleistung ein öffentlich zugängliches Gut sein sollte, ähnlich wie Straßen oder Stromnetze, gewinnt an Attraktivität. In einer Welt, in der künstliche Intelligenz zunehmend Entscheidungen vorbereitet oder trifft, wird der Zugang zu ihrer Infrastruktur zur demokratischen Frage.

Die Liberman Brüder haben in ihrer Karriere gelernt, dass Infrastrukturzyklen lang sind und Krisen überdauern. Glasfaserkabel überlebten die Dotcom Blase. Vielleicht überleben dezentrale Rechenprotokolle künftige KI Korrekturen. Die Geschichte lehrt, dass Technologien, die Freiheit und Effizienz verbinden, eine besondere Resilienz besitzen. Am Ende steht ein Bild. Keine Wolkenkratzer aus Serverracks, die wie moderne Kathedralen Macht symbolisieren. Stattdessen ein Netz von Autobahnen, unsichtbar, verteilt, zugänglich. Auf ihnen bewegen sich Daten, Modelle, digitale Agenten. Jeder kann auffahren. Niemand kontrolliert die gesamte Strecke.

Ob diese Metapher Realität wird, hängt von vielen Faktoren ab. Von technischer Exzellenz, von ökonomischer Vernunft, von politischem Willen. Die Libermans haben ihren Einsatz gemacht. Sie setzen auf Dezentralisierung in einer Zeit der Konzentration. Sie setzen auf gemeinschaftliche Infrastruktur in einer Ära monopolistischer Tendenzen.

Vielleicht wird man in einigen Jahren zurückblicken und sagen, hier habe sich entschieden, wem die Intelligenz gehört. Den Wolkenkratzern oder den Autobahnen. Den digitalen Fürsten oder den vernetzten Bürgern. Gonka ist ein Versuch, die Antwort zugunsten der Vielen zu verschieben. Und allein dieser Versuch verdient Aufmerksamkeit.

Quellen
1 Eigene Darstellung nach öffentlichen Interviews und Grundsatzpapieren der Liberman Brothers zur Vision einer KI gestützten Produktivitätsexplosion und zehn Milliarden autonomen Agenten
2 Unternehmensangaben und Selbstdarstellungen zu Frank.Money und dem Ansatz radikaler Transparenz im Finanzsystem
3 Gonka AI Whitepaper und technische Dokumentation zur Architektur des dezentralen Compute Netzwerks
5 Protokollbeschreibung von Gonka AI zu Rollenmodell, Host Struktur und ökonomischer Ausgestaltung des Netzwerks
7 Entwicklerkommunikation und technische Updates zur Weiterentwicklung des Proof of Contribution Mechanismus
9 Historische Unternehmensdaten zu Concept Space und Kernel AR sowie Berichte zur Übernahme durch Snap im Oktober 2016
10 Technische Ausführungen zum Transformer Based Proof of Work und zum Konzept des nützlichen Arbeitsnachweises

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