Ukraine-Krieg: Ukraine greift russische Ölhäfen an, Russland intensiviert Frühjahrsoffensive im Donbass – Die Lage am 30. März 2026
Vorbemerkung: Der folgende Bericht fasst die militärischen und diplomatischen Entwicklungen im russisch-ukrainischen Krieg für den 29. und 30. März 2026 zusammen. Berücksichtigt wurden Darstellungen aus ukrainischen, russischen, deutschen, arabischen (Al Jazeera) und chinesischen Medien sowie Analysen des Institute for the Study of War (ISW).
1. Ukrainische Drohnenangriffe: Öl-Exporthafen Ust-Luga in Brand gesetzt
Die Ukraine hat ihre gezielten Angriffe auf die russische Ölindustrie fortgesetzt. In der Nacht zum 29. März setzten ukrainische Drohnen den wichtigen Ostsee-Exporthafen Ust-Luga in Brand. Den Treffer und das Feuer bestätigte der Gouverneur des Leningrader Gebiets, Alexander Drosdenko, auf Telegram. Einsatzkräfte seien mit den Löscharbeiten beschäftigt. Insgesamt habe die russische Flugabwehr 31 Drohnen im Leningrader Gebiet abgeschossen .
Von Ust-Luga aus werden unter anderem Flüssiggas (LNG), Düngemittel und Kohle verschifft. Es ist nicht der erste Angriff auf den Hafen in dieser Woche – zuvor waren bereits Öltanker, Depots und Verladestationen beschädigt worden. Anwohner veröffentlichten in sozialen Netzwerken Bilder von Rauchwolken und klagten über Brandgeruch .
Ziel Kiews ist es, Russland die für die Rüstungsindustrie wichtigen Einnahmen aus dem Öl- und Rohstoffexport zu nehmen. Präsident Wolodymyr Selenskyj lobte die Attacken auf die Anlagen im Leningrader Gebiet und erklärte, die Russen verfügten nun nur noch über 40 Prozent der dortigen Kapazitäten .
2. Russische Luftangriffe auf die Ukraine: Tote in Odessa und Krywyj Rih
Die russischen Streitkräfte ihrerseits setzten ihre massiven Luftangriffe auf die Ukraine fort. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe startete Russland in der Nacht zum 29. März 273 Kampfdrohnen, von denen 252 abgeschossen oder durch elektronische Kampfführung neutralisiert wurden .
In der südukrainischen Hafenstadt Odessa kam nach Angaben der Militärverwaltung ein Mensch ums Leben, elf weitere wurden verletzt, darunter ein Kind. Getroffen wurden ein Krankenhaus und mehrere Wohngebäude. Besonders schwer traf es das Dach einer Geburtsklinik – Personal und Patientinnen konnten sich jedoch rechtzeitig in Schutzräume begeben .
In Krywyj Rih, der Heimatstadt Selenskyjs, wurden bei einem morgendlichen Angriff auf ein Industrieunternehmen zwei Männer getötet und zwei weitere verletzt. Nach dem Angriff brachen Brände aus . In der zentralukrainischen Region Poltawa kam ein 55-jähriger Mitarbeiter des staatlichen Ölkonzerns Naftogaz ums Leben, als russische Drohnen ein Wohngebäude und Industrieanlagen trafen. Die Gasförderanlagen in der Region seien bereits "am dritten Tag in Folge" angegriffen worden .
Selenskyj verurteilte die Angriffe scharf: Allein Odessa sei mit mehr als 60 Drohnen attackiert worden. "Das hat keinerlei militärischen Sinn, es handelt sich um reinen Terror gegen das normale zivile Leben", erklärte er auf Telegram. "Jeder solche Angriff beweist, dass Russland den Krieg nicht beenden will" .
3. Frontgeschehen: Russische Frühjahrsoffensive im Donbass hat begonnen
Nach Einschätzung des Institute for the Study of War (ISW) haben die russischen Streitkräfte ihre Frühjahrsoffensive im Donbass begonnen. ISW-Analysten beobachten seit dem 17. März eine Zunahme mechanisierter Angriffe an verschiedenen Frontabschnitten – darunter Angriffe in Kompanie- und Zugstärke bei Nowopawliwka, Kupjansk, Myrnohrad und Hryschyne .
Besonders intensiv waren die Kämpfe in den Regionen Pokrowsk und Huljajpole. Zwischen Samstag und Sonntagmorgen registrierte der ukrainische Generalstab 236 Gefechtszusammenstöße. Ukrainische Truppen wehrten zahlreiche Angriffe ab .
Die russischen Streitkräfte bereiten ihren Angriff auf den ukrainischen "Festungsgürtel" in der Region Donezk vor, der die Städte Slowjansk, Kramatorsk und Kostjantyniwka umfasst. ISW-Analysten weisen darauf hin, dass die russische Armee aufgrund von Panzermangel und der drohnenintensiven Front voraussichtlich keine großangelegten gleichzeitigen mechanisierten Angriffe durchführen wird, sondern eher lokalisierte, wellenförmige Offensiven an mehreren Frontabschnitten .
In Kramatorsk forderte ein russischer Angriff mit Gleitbomben am Wochenende nach Polizeiangaben drei Todesopfer, darunter einen 13-jährigen Jungen. Weitere sieben Menschen wurden verletzt, mehrere Wohngebäude beschädigt . Auch die nahe gelegenen Städte Oleksijewo-Druschkiwka und Slowjansk wurden angegriffen .
4. Russische Opfer durch ukrainische Angriffe: Tote in Taganrog und Belgorod
Die ukrainischen Drohnenangriffe forderten auch auf russischem Territorium Opfer. Bei einem Angriff auf die Hafen- und Industriestadt Taganrog in der Region Rostow wurde nach Angaben der Bürgermeisterin Swetlana Kambulowa ein Mensch getötet, acht weitere wurden verletzt. Wohnhäuser, öffentliche Einrichtungen und Industrieanlagen wurden durch herabstürzende Trümmer beschädigt .
In der südwestrussischen Stadt Krasnodar wurden drei Menschen bei Drohnenangriffen verletzt, darunter zwei Kinder . In der Grenzregion Belgorod wurden zwei Frauen in kritischem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert, nachdem ukrainische Drohnen Fahrzeuge getroffen hatten . Bereits am Vortag war in der Region Belgorod ein Zivilist bei einem Drohnenangriff getötet worden .
Das russische Verteidigungsministerium meldete, in der Nacht zum 30. März seien landesweit 155 ukrainische Drohnen über mehreren Regionen zerstört worden, darunter auch über der Region Moskau .
5. Selenskyjs Golf-Diplomatie: Luftverteidigungspartnerschaft mit Jordanien
Der ukrainische Präsident setzte seine diplomatische Reise an den Persischen Golf fort. Am Sonntag traf Selenskyj in Jordanien mit König Abdullah II. zusammen, um über eine Sicherheitspartnerschaft zur Abwehr von Drohnenangriffen zu sprechen .
"Heute in Jordanien", schrieb Selenskyj auf X. Die oberste Priorität bei den Gesprächen vor Ort sei "Sicherheit". "Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass es ohne ein einheitliches System schlicht unmöglich ist, einen umfassenden Schutz für Menschen und kritische Infrastruktur aufzubauen", erklärte er .
Jordanien ist die jüngste Station auf Selenskyjs Reise in der Region. Zuvor hatte die Ukraine bereits mit Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar Verteidigungskooperationen geschlossen. Die Abkommen umfassen nach Angaben des katarischen Verteidigungsministeriums "Zusammenarbeit in technologischen Bereichen, die Entwicklung gemeinsamer Investitionen und den Austausch von Fachwissen zur Bekämpfung von Raketen und unbemannten Luftfahrtsystemen" .
Die Ukraine bietet den Golfstaaten ihre Expertise im Drohnen-Abwehrkampf an, die sie in dreieinhalb Jahren Krieg gegen russische Shahed-Drohnen erworben hat. Im Gegenzug erhofft sich Kiew Zugang zu dringend benötigten Luftabwehrsystemen . Die taz berichtete zudem, dass ukrainische Experten nach Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar in die Region entsandt wurden, um bei der Abwehr iranischer Drohnenangriffe zu helfen .
6. Diplomatische Verwerfungen: Kreml fordert US-Druck auf Ukraine
Die russische Führung hat die USA zu verstärktem Druck auf die Ukraine aufgerufen, sich auf Moskaus Bedingungen für ein Kriegsende einzulassen. Der außenpolitische Berater von Kremlchef Wladimir Putin, Juri Uschakow, sagte dem russischen Staatsfernsehen: "Die Amerikaner haben die Hebel, tatsächlich Druck und Einfluss auf Kiew auszuüben. Genau dazu rufen wir unsere amerikanischen Kollegen auf" .
Putin selbst schloss eine Wiederannäherung an die europäischen Staaten nicht aus. Es sei klar, dass das Verhältnis zu Europa derzeit in einer Krise sei, sagte Putin bei einer Sitzung des russischen Sicherheitsrates in Moskau. "Wir haben eine Entwicklung dieser Beziehungen, eine Wiederherstellung dieser Beziehungen niemals abgelehnt" . Als Ursache des Zerwürfnisses nannte er erneut den Sturz des moskaufreundlichen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch 2014. Putin sprach von einem von den USA und europäischen Staaten unterstützten "Staatsstreich" .
ISW-Analysten sehen in der russischen Rhetorik über ukrainische Legitimität und Wahlen ein strategisches Manöver: Russland fordere einerseits Wahlen in der Ukraine als Voraussetzung für ein Friedensabkommen, verweigere aber andererseits die dafür notwendige Waffenruhe. Dies diene dazu, die Ukraine – nicht Russland – als Hindernis für Verhandlungen darzustellen .
7. Rheinmetall-Kontroverse: Empörung über "Hausfrauen"-Vergleich
Mit der Gleichsetzung ukrainischer Drohnenhersteller mit "Hausfrauen" hat Rheinmetall-Chef Armin Papperger Empörung in der Ukraine ausgelöst. In einem Interview mit dem US-Magazin "The Atlantic" hatte Papperger die Entwicklung von Drohnentechnologie in der Ukraine mit "Lego spielen" verglichen und gesagt: "Sie haben 3D-Drucker in der Küche, und sie stellen Drohnenteile her. Das ist keine Innovation" .
Präsidentenberater Alexander Kamyschin konterte auf X mit Hinweis auf die Erfolge ukrainischer Drohnen gegen russische Panzer. Bei Besuchen in Waffenfabriken habe er häufig ukrainische Frauen gesehen, die genauso arbeiteten wie Männer. "Sie sind großartige Hausfrauen, und doch müssen sie hart in den Militärfabriken arbeiten", schrieb Kamyschin. An Rheinmetall gewandt fügte er hinzu: "Sie verdienen Respekt" .
Das Rüstungsunternehmen aus Düsseldorf versuchte am Sonntag zu beschwichtigen und lobte den Beitrag "jeder einzelnen Frau und jedes Mannes in der Ukraine" zur Verteidigung des Landes .
8. Finnland: Ukrainische Drohnen abgestürzt
Mehrere mutmaßlich ukrainische Drohnen sind im Südosten Finnlands abgestürzt. Nach Informationen finnischer Behörden schlugen zwei unbemannte Flugkörper am Sonntagmorgen nördlich beziehungsweise östlich der Stadt Kouvola am Boden auf. Berichte über Verletzte oder Schäden gab es nicht .
Ministerpräsident Petteri Orpo sagte dem Sender Yle, Russland verfüge "über extrem starke Fähigkeiten zur elektronischen Störung, was erklären könnte, warum diese Drohnen in den finnischen Luftraum abdriften – was eine sehr ernste Angelegenheit ist". Die finnische Luftwaffe identifizierte nach eigenen Angaben mit F/A-18-Kampfflugzeugen zumindest eines der Flugobjekte als ukrainische AN196-Drohne .
Verteidigungsminister Antti Häkkänen erklärte: "Drohnen haben sich in Finnlands Territorium verirrt. Wir nehmen das sehr ernst" .
9. Geopolitische Verflechtungen: Iran-Krieg belastet Ukraine-Unterstützung
Der Krieg im Nahen Osten hat nach Einschätzung von Beobachtern indirekte Auswirkungen auf die Ukraine. Der frühere US-Nationale Sicherheitsberater John Bolton warnte Europa in einem Interview mit der "Augsburger Allgemeinen" vor einer Vernachlässigung des Ukraine-Krieges: "Wenn die Europäer sagen, Iran ist nicht unser Krieg, dann erlaubt das Trump zu sagen, nun, die Ukraine ist nicht Amerikas Krieg." Das helfe nur Russlands Staatschef Wladimir Putin .
Selenskyj selbst verwies auf die Verflechtung der Konflikte: Russland lasse in seinen Kriegshandlungen in der Ukraine nicht nach, "gleichzeitig investieren sie offen in die Verlängerung eines weiteren Krieges, der zur weltweiten Destabilisierung beiträgt" – ein deutlicher Verweis auf Russlands militärische Kooperation mit dem Iran .
Nach Informationen von Politico hatte die russische Führung den USA im März angeboten, die Geheimdienstkooperation mit dem Iran zu beenden, wenn Washington im Gegenzug die Weitergabe von Geheimdienstdaten an die Ukraine einstelle. Die USA lehnten das Angebot ab .
10. Ausblick: Abnutzungskrieg mit ungewissem Ausgang
Die militärische Lage in der Ukraine bleibt angespannt. Die russische Frühjahrsoffensive im Donbass hat an Intensität gewonnen, während die Ukraine ihre Verteidigung mit moderner Drohnentechnologie und gezielten Gegenangriffen auf russische Energieinfrastruktur organisiert. Die ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Ölhäfen und Raffinerien zeigen Wirkung – nach Selenskyjs Angaben sind die russischen Kapazitäten im Leningrader Gebiet bereits um 60 Prozent reduziert .
Selenskyjs Golf-Diplomatie eröffnet neue Wege der internationalen Unterstützung. Ob die Ukraine im Gegenzug für ihre Drohnen-Abwehr-Expertise tatsächlich dringend benötigte Luftabwehrsysteme erhält, bleibt abzuwarten. Klar ist: Der Krieg in der Ukraine geht unvermindert weiter – während die Weltöffentlichkeit derzeit stark auf den Nahen Osten blickt.
Quellen: AFP, Al Jazeera, dpa, Institute for the Study of War, MDR, Reuters, Tagesspiegel, taz, Xinhua, ZDF. Stand: 30. März 2026, 08:00 Uhr MEZ. Dieser Bericht erscheint auf https://www.brunhuber.com/aktuelle-kriegsberichte.
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