Kriegsbericht vom 12. Mai 2026

Kriegsbericht vom 12. Mai 2026 (08.05. – 12.05.2026)

I. Ukraine-Krieg: Russland eskaliert nach Ende der Waffenruhe massiv

Die von US‑Präsident Donald Trump vermittelte dreitägige Waffenruhe vom 9. bis 11. Mai 2026 ist in der Nacht auf den 12. Mai ausgelaufen – und Russland hat die Feuerpause mit einer großflächigen Drohnen‑ und Artillerieoffensive beendet. Bereits am 8. Mai begann eine von Moskau einseitig ausgerufene zweitägige Feuerpause anlässlich des russischen „Tages des Sieges“ (9. Mai), die allerdings von beiden Seiten nie vollständig eingehalten wurde. Laut der Darstellung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj hat Russland kein Interesse, den Krieg zu beenden, die Ukraine stelle sich daher auf neue Angriffe ein.

Nach Ablauf der Waffenruhe vermeldete die ukrainische Luftwaffe eine massive russische Drohnen‑Attacke, allein in den ersten Stunden wurden mehr als 200 Drohnen auf Kiew, Saporischschja, Dnipro, Charkiw und Cherson abgefeuert. Trümmer trafen ein 16‑stöckiges Wohnhaus im Kiewer Stadtteil Obolon.

Landesweit gab es Tote und Verletzte. Die Ukraine gibt an, 192 der 216 Drohnen abgewehrt zu haben. Moskau wiederum beschuldigt Kiew, die Waffenruhe zuvor „30.383‑fach“ verletzt zu haben. Trotz der Einigung auf einen Austausch von 1.000 Gefangenen setzen beide Seiten die Kämpfe fort; Selenskyj erklärte, man werde auf jede russische Eskalation „spiegelbildlich“ antworten. Deutsche Rüstungskooperation‑Gespräche in Kiew zeigen derweil, dass die Ukraine auch militärisch weiter aufgerüstet wird.

Gleichzeitig hat Präsident Putin in einem Interview am 10. Mai erstmals seit langem wieder von einem nahenden Ende des Krieges gesprochen und direkte Gespräche mit Selenskyj angeboten, knüpft diese jedoch an bereits ausgehandelte Friedensbedingungen. Beobachter werten dies eher als taktisches Signal denn als echte Verhandlungsbereitschaft.

II. Nahost / Iran‑Konflikt: Waffenstillstand „auf der Intensivstation“

Im persischen Golf bleibt die Lage trotz des seit dem 8. April geltenden Waffenstillstands äußerst fragil. US‑Präsident Trump hat die jüngste iranische Antwort auf seinen Friedensvorschlag als „Mist“ und „völlig inakzeptabel“ zurückgewiesen und erklärt, der Waffenstillstand befinde sich „auf der Intensivstation“.

Die von Iran über pakistanische Vermittler übermittelte Antwort fordert vor allem ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen, den Abzug der US‑Marineblockade, die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte und eine formelle Anerkennung der iranischen Souveränität über die Straße von Hormus, lehnt jedoch Verhandlungen über das Nuklearprogramm ab. Nach übereinstimmenden Berichten iranischer und internationaler Medien (IRNA, Tasnim, Wall Street Journal) hat der Iran damit faktisch die Oberhand beansprucht und signalisiert, dass er die USA vor einem „Diktatfrieden“ stellt.

Die militärischen Spannungen nehmen dennoch nicht ab: Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar melden in den letzten Tagen wiederholt Drohnen‑Angriffe, die offenbar von Iran oder seinen Verbündeten ausgingen. Vor der Küste Qatars wurde ein Frachter getroffen und in Brand gesetzt. Gleichzeitig greift Israel weiter Ziele im Südlibanon an; dabei kamen am 11. Mai sechs Menschen ums Leben. Die israelische Regierung unter Benjamin Netanjahu hat zudem erklärt, der Krieg sei erst vorbei, wenn das gesamte angereicherte Uran aus Iran entfernt worden sei. Der frühere katarische Premierminister Scheich Hamad bin Jassim Al Thani warnte, Netanjahu nutze den Konflikt, um die Region nach dem Bild eines „Groß‑Israel“ umzugestalten.

Angriff auf US-Zerstörer in der Straße von Hormus (8. Mai)

Am 8. Mai eskalierte die Konfrontation zwischen den USA und Iran in der Straße von Hormus dramatisch. Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) bestätigten am 9. Mai offiziell einen groß angelegten kombinierten Angriff mit ballistischen Raketen, Anti-Schiffs-Marschflugkörpern und Suizid-Drohnen auf US-Kriegsschiffe. Die Operation erfolgte nach iranischen Angaben als Reaktion auf einen US-Angriff auf einen iranischen Öltanker nahe dem Hafen von Jask sowie die Annäherung von US-Zerstörern an die strategische Wasserstraße. Laut IRGC-Erklärung handelte es sich um eine „groß angelegte und präzise kombinierte Operation“, deren Geheimdienstauswertungen zeigten, dass die US-Schiffe „erheblichen Schaden“ erlitten hätten und drei Zerstörer zum Rückzug gezwungen worden seien.

Die halbamtliche Nachrichtenagentur Tasnim berichtete, die Schiffe hätten sich in Richtung des Golfs von Oman zurückgezogen. Die USA wiesen die iranischen Behauptungen jedoch umgehend zurück. Präsident Trump erklärte auf Truth Social: „Drei Weltklasse-Zerstörer der Amerikaner haben gerade sehr erfolgreich die Straße von Hormus durchquert – unter Beschuss. An keinem der drei Zerstörer entstand Schaden, aber den iranischen Angreifern wurde enormer Schaden zugefügt. Sie wurden komplett zerstört, ebenso wie mehrere kleine Boote.“ Das US Central Command (CENTCOM) bestätigte, dass amerikanische Streitkräfte einen „unprovozierten“ iranischen Angriff abgefangen und mit defensiven Militäraktionen reagiert hätten, wobei keine US-Einheiten getroffen worden seien. Darüber hinaus habe CENTCOM iranische Raketen- und Drohnen-Abschussbasen, Kommando- und Kontrollzentren sowie Aufklärungseinrichtungen angegriffen. Die widersprüchlichen Darstellungen beider Seiten unterstreichen das konstant hohe Eskalationspotenzial an der für den globalen Öltransport lebenswichtigen Meerenge – etwa ein Fünftel des weltweiten Öltransits passiert die Straße von Hormus.

III. Sonderfokus & Analyse

1. Pakistan als geopolitische Drehscheibe und alternative Exportroute Irans

Die Blockade der Straße von Hormus durch die US‑Marine seit dem 13. April 2026 hat Pakistan eine völlig neue Rolle als „Landbrücke“ für den iranischen Handel zugewiesen. Bereits Ende April erließ das pakistanische Handelsministerium eine Verordnung, die sechs feste Transitkorridore von den Häfen Karachi, Port Qasim und Gwadar zu den iranischen Grenzübergängen Gabd und Taftan öffnet.

Mehr als 3.000 Container, die per Schiff nicht mehr nach Iran gelangen können, stauen sich derzeit in Karachi; der Landweg – insbesondere die 89 km kurze Gwadar‑Gabd‑Route – soll die Lieferungen nach Iran nun binnen weniger Stunden ermöglichen. Pakistan nimmt damit ein kalkuliertes Risiko in Kauf: Die Überlandroute versorgt Iran faktisch mit Gütern und Devisen und durchkreuzt so die US‑Blockadepolitik. Allerdings wurde Washington laut pakistanischen Quellen vorab nicht konsultiert. Gleichzeitig kann Pakistan seine eigene Wirtschaft stützen: Die wöchentliche Ölimportrechnung ist infolge des Krieges um 170 % auf 800 Mio. Dollar pro Monat gestiegen. Das Land hat zudem bis zum 13. Juni einen strikten Sparkurs verlängert, um die finanzielle Belastung abzufedern.

2. Iranische Militärflugzeuge in Pakistan stationiert

Einem am 11. Mai veröffentlichten Bericht des US-Senders CBS News zufolge hat Pakistan der Islamischen Republik Iran in den Tagen nach der von Trump verkündeten Waffenruhe Anfang April stillschweigend erlaubt, mehrere Militärflugzeuge auf seinem Territorium zu stationieren. Dem Bericht zufolge wurden die iranischen Maschinen, darunter ein Aufklärungsflugzeug vom Typ RC-130 (eine Überwachungsvariante des Lockheed C-130 Hercules), auf dem pakistanischen Luftwaffenstützpunkt Nur Khan in der Nähe von Rawalpindi abgestellt. Ziel dieser Maßnahme sei es gewesen, die Flugzeuge vor möglichen US-Luftangriffen zu schützen.

Die CBS News beruft sich auf mehrere anonyme US-Beamte. Dem Bericht zufolge wurden auch zivile iranische Flugzeuge, darunter eine Maschine der Mahan Air, ins benachbarte Afghanistan ausgeflogen. Die Enthüllungen stellen die offizielle Rolle Pakistans als neutraler Vermittler im Konflikt zwischen Washington und Teheran grundsätzlich infrage. Der republikanische US-Senator Lindsey Graham forderte daraufhin eine „vollständige Neubewertung“ der pakistanischen Vermittlerrolle und zeigte sich wenig überrascht – auch angesichts früherer anti-israelischer Äußerungen pakistanischer Verteidigungsbeamter.

Sowohl pakistanische als auch afghanische Taliban-Vertreter wiesen die Berichte umgehend zurück. Ein ranghoher pakistanischer Beamter erklärte gegenüber CBS News, die Behauptungen über iranische Flugzeuge auf dem Luftwaffenstützpunkt Nur Khan seien „nicht wahr“ und angesichts der Lage des Stützpunkts mitten in einem dicht besiedelten Stadtgebiet auch gar nicht unbemerkt möglich. Der afghanische Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid bestritt ebenfalls jegliche iranische Militärpräsenz in Afghanistan und betonte, der Iran benötige solche Hilfe nicht. Die mutmaßliche Nutzung des Luftwaffenstützpunkts Nur Khan durch den Iran intensiviert die ohnehin schon schwierige Gratwanderung Islamabads zwischen seiner Rolle als Vermittler und seinen engen wirtschaftlichen und militärischen Beziehungen zu China, das Pakistans Engagement begrüßt, sowie den historisch engen Verbindungen zu Saudi-Arabien, das die iranische Regionalpolitik mit Argwohn betrachtet.

3. Stopp der kasachischen Erdöltransite durch Russland – Europas neue Energiefront

Zum 1. Mai 2026 hat Russland die Durchleitung von kasachischem Rohöl durch den nördlichen Strang der Druschba‑Pipeline zur PCK‑Raffinerie im brandenburgischen Schwedt vollständig eingestellt. Moskau begründet den Schritt offiziell mit „technischen Kapazitätsengpässen“; Beobachter und kasachische Vertreter vermuten jedoch, dass ukrainische Drohnenangriffe auf russische Infrastruktur den Ausschlag gegeben haben könnten.

Die PCK‑Raffinerie deckt ca. 90 % des Benzin‑, Diesel‑ und Heizölbedarfs von Berlin und Brandenburg; kasachisches Öl machte zuletzt etwa 20 % des Rohölmix aus. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche erklärte, die Versorgungssicherheit sei nicht gefährdet, da die Raffinerie im Mai zu ca. 80 % über den Hafen Rostock und alternative Lieferwege versorgt werden könne; für Juni werde eine endgültige Lösung erwartet. Dennoch zwingt der Lieferstopp die Bundesregierung dazu, beschleunigt zusätzliche Importkapazitäten über Danzig und Rostock zu erschließen, was die ohnehin angespannten Energiemärkte weiter belastet.

IV. Wirtschaftliche Auswirkungen auf Europa

Die Koinzidenz von Ukraine‑Krieg und Hormus‑Blockade treibt die Energiepreise in Europa in ungekannte Höhen. EU‑Energiekommissar Dan Jørgensen sprach von der „schwersten Energiekrise aller Zeiten“; die Mitgliedstaaten hätten seit Ausbruch des Nahostkonflikts bereits über 30 Mrd. Euro mehr für fossile Importe ausgegeben als im Vorjahr, ohne zusätzliche Mengen zu erhalten.

Der Referenzpreis für ein Barrel Brent‑Rohöl hat in den letzten Wochen zeitweise wieder die Marke von 100 US‑Dollar überschritten und notiert auch am 12. Mai noch über 100 Dollar, was die Inflation im Euroraum weiter anheizt. Analysten erwarten für Juni eine Leitzinserhöhung der EZB. Die deutsche Industrie, ohnehin in einer strukturellen Krise, leidet zusätzlich unter gestörten Lieferketten für Helium und andere Rohstoffe aus der Golfregion.

Russland profitiert von dieser Lage: Bei Ölpreisen um 100 Dollar kann der Kreml mit einem Milliardenplus rechnen und hat Europa gleichzeitig neue Gas‑ und Öllieferungen angeboten – ein klassisches „Teile‑und‑herrsche“‑Manöver, das in Berlin für hitzige Debatten sorgt.

V. Quellennachweise (Auswahl)

  1. Deutschlandfunk – „Mit Ablauf der Waffenruhe erwartet Selenskyj neue russische Angriffe“ (12.05.2026)
  2. Reuters / U.S. News – „Russia Strikes Ukraine With Drones as Ceasefire Ends“ (12.05.2026)
  3. Anadolu Agency – „Russia says its forces continue ‘special military operation’ in Ukraine following end of ceasefire“ (12.05.2026)
  4. Al Jazeera – „Putin hints at ending Russia’s war in Ukraine, but why now?“ (10.05.2026)
  5. Euronews – „Waffenruhe in Nahost bald vorbei? Irans Angebot ist laut Trump ‘Mist’“ (12.05.2026)
  6. BSS/AFP – „War in the Middle East: latest developments“ (12.05.2026)
  7. The News (Pakistan) – „Iran signals openness to talks but avoids nuclear negotiations“ (11.05.2026)
  8. ISW / Institute for the Study of War – „Iran Update Special Report, May 11, 2026“ (11.05.2026)
  9. Al Jazeera – „Pakistan opens up road trade routes into Iran amid Hormuz blockade“ (30.04.2026)
  10. The National – „Pakistan takes calculated risk by opening overland routes for shipments to Iran“ (01.05.2026)
  11. OilPrice.com – „Pakistan Opens Iran Land Corridors as Region Scrambles for Routes Beyond Hormuz“ (04.05.2026)
  12. Tagesschau – „Russland stoppt Öl‑Transit nach Deutschland“ (22.04.2026)
  13. taz – „Ab dem 1. Mai stoppt Russland Lieferung: Kein Öl mehr aus Kasachstan für Schwedt“ (30.04.2026)
  14. Volksstimme – „EU-Kommissar: ‘Schwerste Energiekrise aller Zeiten’“ (05.05.2026)
  15. Harici – „German industrial crisis deepens as Middle East conflict disrupts global energy“ (06.05.2026)
  16. TASS – „FACTBOX: What is known about situation with Kazakh oil transit via Druzhba pipeline“ (22.04.2026)
  17. Xinhua / China.org.cn – „Iranian media denies new U.S. exchanges, rejects reports of nearing deal“ (06.05.2026)
  18. The Hindu – „Iran-Israel war LIVE: Israeli strikes kill six in south Lebanon“ (12.05.2026)
  19. DW – „Iran war: Ceasefire tested by ship fire, drone attacks“ (09.05.2026)
  20. Bernama/Anadolu – „Iran Confirms Missile, Drone Attack On US Destroyers Near Strait Of Hormuz“ (09.05.2026)
  21. The Vibes – „Iran claims Hormuz Strait strike on US destroyers as Washington insists no damage sustained“ (08.05.2026)
  22. Wen Wei Po (Hong Kong) – „Bericht: Iran parkt Militärflugzeuge in Pakistan, um US-Luftangriffen zu entgehen“ (12.05.2026)
  23. Sohu – „Iranische Kampfjets fliegen nach Pakistan, um Schutz vor US-Luftangriffen zu suchen“ (12.05.2026)
  24. News on AIR – „Pakistan permitted Iranian military aircraft to be stationed at its airbases during US conflict: Report“ (12.05.2026)
  25. The Print – „Pakistan let Iran use its Nur Khan airbase to shield military aircraft from US attack, CBS report says“ (12.05.2026)

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