Impressionistische Illustration: ältere Menschen vor einem leuchtenden Fernseher im Freien, Licht und Schatten verschwimmen im Stil Monets.

Artikel erschien am 06.06.2026

Diesen Kommentar gibt es auch in leichter Sprache "Ursula von der Leyen - Warum manche Nachrichten nicht stimmen"

Von der Layen - Die Architektin der Alarmstimmung

Wie Ursula von der Leyen das Narrativ des Schreckens ins Wohnzimmer Europas trägt

Es gibt einen Moment, der sich in den letzten Jahren immer wieder wiederholt hat: Die Tagesschau läuft, die Abendnachrichten bringen einen Einspieler aus Brüssel oder Straßburg, und Ursula von der Leyen tritt vor die Kameras. Was sie sagt, ist knapp, entschieden und furchteinflößend. Russland habe wieder zugeschlagen. Der Autopilot ihres Flugzeugs sei ausgeschaltet worden. Europa stehe unter hybridem Beschuss. Millionen ältere Zuschauer in Deutschland, Österreich und der Schweiz hören zu, nicken besorgt und gehen mit diesen Bildern schlafen. Was sie nicht wissen: Die Geschichte stimmt oft nur zur Hälfte, manchmal auch gar nicht. Die Korrektur erscheint Tage später – im Internet, auf Plattformen, die kaum jemand über sechzig aufruft.

Diese Asymmetrie ist kein Zufall. Sie ist das Herzstück einer Kommunikationsstrategie, die von der Leyen seit Beginn der russischen Vollinvasion der Ukraine 2022 zur Perfektion entwickelt hat. Als Präsidentin der Europäischen Kommission bewegt sie sich in einer Doppelrolle: als politische Spitzenakteurin in einer existenziellen sicherheitspolitischen Krise und zugleich als zentrale Deutungsinstanz in einem Informationsraum, der von Emotionalisierung, selektiver Transparenz und medialer Zuspitzung geprägt ist. [1]

Das Fernsehen als Schlachtfeld der Narrative

Die Architektur des modernen Informationskrieges funktioniert nach einer schlichten Logik: Wer die Schlagzeile setzt, gewinnt den Tag. Korrekturen kommen zu spät, erreichen das falsche Publikum und besitzen nicht annähernd die emotionale Wucht der ursprünglichen Meldung. Von der Leyen, die sich seit ihrem Amtsantritt 2019 als Anführerin einer „geopolitischen Kommission" versteht [2], hat diese Logik verinnerlicht. Ihre Reaktionen auf sicherheitspolitische Ereignisse erfolgen schnell, sind normativ stark aufgeladen und adressieren in erster Linie jenes Publikum, das Europa noch immer über das Abendprogramm der großen Sender kennenlernt.

Das ist eine ältere Generation. In Deutschland, Österreich und weiten Teilen Westeuropas ist das Fernsehen nach wie vor das dominante Nachrichtenmedium für Menschen jenseits der sechzig, also für die Altersgruppe, die in demokratischen Wahlen aufgrund ihrer schieren Größe den Ausschlag gibt. Jüngere Bürger, die via soziale Netzwerke und internationale Onlinemedien auf Widersprüche stoßen, stellen die Korrektur ins Netz. Doch im Wohnzimmer der Babyboomer-Generation kommt diese Richtigstellung nie an. Dort bleibt das erste Bild haften. Und dieses erste Bild formt Ursula von der Leyen.

Kriegsverbrechen auf Bestellung

Im Oktober 2022 trat von der Leyen vor das Europäische Parlament und erklärte, Russlands Raketen- und Drohnenangriffe auf ukrainische Kraftwerke, Umspannwerke und andere zivile Einrichtungen seien „Acts of pure terror" und stellten Kriegsverbrechen dar. Fast ein Drittel der ukrainischen Kraftwerke sei zerstört oder beschädigt, Millionen Menschen stünden ohne Strom und Heizung zu Beginn des Winters da. [3]

In diesem Fall stimmte das Bild weitgehend. Internationale OSINT-Analysen, Berichte westlicher Militärexperten und Forschungsinstitute dokumentierten wiederholte Angriffswellen auf Kraftwerke, Fernwärmeanlagen und Wasserwerke, weit entfernt von Frontlinien. [4] Die Verbreitung iranisch gebauter Shahed-Kamikazedrohnen gegen ukrainische Städte war belegt und durch außereuropäische Medien wie Radio Free Europe/Radio Liberty nüchtern bestätigt. [3]

Doch hier beginnt das eigentliche Problem: Auch dort, wo die Grundtatsachen stimmen, arbeitet von der Leyen mit einer Sprache, die juristische Kategorien zu politischen Kampfbegriffen umschmiedet. „Kriegsverbrechen" ist ein formaler Rechtsbegriff, dessen Feststellung internationale Gerichte nach aufwendiger Beweisführung vornehmen. Von der Leyen verwendet ihn wie eine moralische Keule, die Bilder erzeugt, lange bevor ein Gericht auch nur getagt hat. Das ist keine Lüge, aber es ist auch keine vollständige Wahrheit. Es ist strategische Kommunikation in einem Informationskrieg, den sie offen führt, ohne ihn so zu benennen.

Die Drohne über Lettland und das Muster der vorschnellen Attribution

Anfang 2026 besuchte von der Leyen die baltischen Staaten und nahm an einem internationalen Drohnengipfel in Riga teil. Gemeinsam mit dem NATO-Generalsekretär betonte sie die Bedeutung eines sogenannten „Eastern Flank Watch"-Projekts zur Abwehr von Drohnen, Cyberangriffen und hybriden Bedrohungen. [5] Sie erklärte, Moskau nutze gezielt hybride Taktiken, um Europa zu destabilisieren. [6]

Konkret verwies sie auf einen Vorfall, bei dem ukrainische Drohnen in den lettischen Luftraum geraten und in einem Öllager abgestürzt waren. Lettische Behörden vermuteten, russisches elektronisches Jamming habe die Drohnen vom Kurs abgebracht. [6] Von der Leyen übernahm diese Einschätzung und setzte den Vorfall in ihr etabliertes Narrativ russischer hybrider Aggression. Medienberichte weltweit griffen die Formulierung auf und präsentierten sie als gesicherte Tatsache.

Was die Berichterstattung verschwieg: Die technische Attribution von Störungen im elektromagnetischen Spektrum ist ausgesprochen komplex und gelingt selten mit absoluter Sicherheit. OSINT-Analysen liefern Indizien, etwa durch Korrelation von Störungen mit der Präsenz russischer Militäreinheiten oder Schiffe. Sie ersetzen aber keine umfassende nachrichtendienstliche Auswertung, und diese wird der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht. [7] Im Tagesrhythmus des Fernsehens, wo Nachrichten in kurzen Einheiten präsentiert werden, verschwindet diese Differenzierung vollständig. Übrig bleibt: Russland sabotiert. Europa ist in Gefahr. Von der Leyen handelt.

Wie aus einer Routineprozedur ein Anschlagsszenario wurde

Es war der Fall, der von der Leyens Kommunikationsmethode am schärfsten unter das Licht der Faktenprüfung rückte, und zugleich der Fall, der zeigt, wie das System der medialen Verstärkung funktioniert. Im Frühsommer 2024 befand sich von der Leyens Regierungsflugzeug, eine Dassault Falcon 900, im Anflug auf den bulgarischen Flughafen Plowdiw. Das GPS-Navigationssystem fiel aus. Die Maschine landete sicher. Die EU-Kommission teilte mit, bulgarische Behörden hätten eine „blatante Interferenz durch Russland" vermutet. [8]

Was folgte, war ein Lehrstück in der Mechanik moderner Medienpanik. Internationale Medien, darunter große britische und amerikanische Titel, berichteten unter Berufung auf anonyme EU-Quellen, das Flugzeug habe aufgrund des GPS-Ausfalls eine Stunde lang kreisen müssen, bevor die Piloten mit Hilfe von Papierkarten und analogen Instrumenten eine manuelle Landung hätten durchführen können. [9] Formulierungen wie „der Autopilot wurde neutralisiert", „die Piloten waren der Elektronik beraubt" oder „ein gezielter russischer Angriff auf von der Leyens Maschine" dominierten die Schlagzeilen. Die Financial Times lieferte eine Ursprungsversion dieser Darstellung, die über die Nachrichtenagentur ANP in zahlreiche niederländische und europäische Medien einfloss und dort weitgehend unkritisch übernommen wurde. [10]

Dann kamen die Faktenprüfer. Mehrere unabhängige Plattformen und technisch versierte Analysten werteten öffentlich zugängliche Flightradar24-Daten sowie Aufzeichnungen des Cockpit-Funkverkehrs zwischen den Piloten und den Fluglotsen aus. [10] Das Ergebnis war ernüchternd für das dramatische Narrativ: Der Flug folgte dem Standardanflugmuster auf Plowdiw. Die Gesamtdauer der Reise wich nur geringfügig von der geplanten Zeit ab. Eine einstündige Warteschleife über dem Flughafen hatte schlicht nicht stattgefunden.

Im Cockpit-Funk zeigte sich, was tatsächlich passiert war: Die Piloten hatten zunächst eine GPS-basierte Anflugprozedur angefragt und genehmigt bekommen. Wenige Minuten später meldete der Pilot GPS-Probleme und bat um Radarvektoren, die aufgrund lokaler Einschränkungen nicht verfügbar waren. Daraufhin ersuchte die Crew, zum VOR-Funkfeuer PDV zu fliegen, um auf ein ILS-basiertes Anflugverfahren umzusteigen, das auf bodengestützte Navigationshilfen setzt und vollständig unabhängig von GPS funktioniert. Die Landung erfolgte regulär auf Basis dieser konventionellen Funknavigation. [10] Ein Notfall, wie er im Fernsehen gezeigt wurde, war das nicht. Es war eine Routineprozedur, die Piloten in der zivilen Luftfahrt routinemäßig trainieren.

Technisch ergänzend wiesen Analysten darauf hin, dass eine Falcon 900 neben GPS über ein Inertialnavigationssystem verfügt, das autonom und ohne Satellitensignal über längere Zeiträume zuverlässige Positionsdaten liefert. Zudem ist die Maschine mit modernen Allwetter-Landesystemen ausgestattet, die GPS-Ausfälle kompensieren. [10] Die Vorstellung eines vollständig elektroniklosen Fluges, der auf Papierkarten und reine Bodenbeobachtung angewiesen sei, war technisch schlicht irreführend.

Was bulgarische Behörden wirklich sagten

Besonders aufschlussreich ist, was beim Plowdiw-Vorfall mit der Frage nach der Intentionalität geschah. Die EU-Kommission verwendete die Formulierung, bulgarische Behörden vermuteten eine „blatante Interferenz durch Russland". [8] Internationale Medien übernahmen und interpretierten dies als Hinweis auf einen gezielten Angriff auf das konkrete Flugzeug der Kommissionspräsidentin. Begriffe wie „Sabotage" und „attack" verstärkten diesen Eindruck. [9]

Was später ans Licht kam: Der bulgarische Premierminister betonte ausdrücklich, es gebe keine Hinweise darauf, dass das Flugzeug von der Leyens als spezifisches Ziel ausgewählt worden sei. Vielmehr handele es sich um GPS-Störungen, die den betreffenden Luftraum schon seit geraumer Zeit belasteten und nicht auf ein einzelnes Luftfahrzeug beschränkt seien. [11] Der Flug war von den Störungen betroffen, aber nicht in dem Sinne „angegriffen" worden, dass russische Streitkräfte gezielt dieses Ziel anvisiert hätten.

Von der Leyen selbst hatte, das muss der Fairness halber gesagt sein, nach verfügbaren Quellen nicht öffentlich behauptet, Russland habe gezielt versucht, ihr Flugzeug zum Absturz zu bringen. Sie ordnete den Vorfall vielmehr in ein Muster russischer hybrider Aggressionen ein. [12] Die Zuspitzung hin zu einem personalisierten Angriff auf sie als Person erfolgte vor allem auf der Ebene der medialen Aufbereitung. Gleichwohl profitiert eine politische Akteurin kommunikativ von der Aura der persönlichen Gefährdung, die solche Erzählungen erzeugen. Und die Kommission unternahm nichts, diesen Eindruck zu korrigieren.

Die Trägheit der Korrektur und ihre politische Funktion

Fact-Checking-Organisationen, die die Financial Times und andere Häuser nach Bekanntwerden der technischen Gegenanalyse um Korrekturen baten, berichteten, die meisten dieser Anfragen seien unberücksichtigt geblieben. Originalartikel wurden nicht oder nur marginal angepasst. [10] Das dramatische Narrativ blieb im Netz, in Archiven, in den Köpfen derer, die es einmal gelesen hatten.

Diese Trägheit der Medien ist kein Versehen. Sie ist strukturell bedingt. Korrekturen generieren wenig Klicks, kein Sentiment, keine Empörung. Sie sind journalistisch unattraktiv. Eine Geschichte über einen gut trainierten Piloten, der planmäßig von GPS auf ILS umschaltet, verkauft sich nicht. Eine Geschichte über einen nächtlichen russischen Elektronikaangriff auf das Flugzeug der mächtigsten Frau Europas hingegen schon. Die Mechanik der Aufmerksamkeitsökonomie arbeitet für das Dramatische, immer.

In diesem Kontext entsteht ein Narrativ, das selbst dann nicht stirbt, wenn es widerlegt wird. Politische Gegner der EU nutzen es, um von der Leyen als Kriegspropagandistin darzustellen, obwohl die spezifischen Falschdarstellungen eher auf journalistische Zuspitzung als auf ihre direkten Aussagen zurückgehen. [13] Freunde und Unterstützer der EU nutzen das unkorrigierte Narrativ, um die russische Bedrohung als unmittelbar und persönlich darzustellen. Beide Seiten gewinnen. Die Wahrheit bleibt auf der Strecke, irgendwo zwischen einem Eintrag auf einer Fact-Checking-Seite und dem Abendprogramm.

Pfizergate und das Muster der selektiven Transparenz

Das Vertrauensproblem beschränkt sich nicht auf den Ukrainekrieg. Die sogenannte „Pfizergate"-Affäre, in der ein EU-Gericht von der Leyen einen Verstoß gegen Transparenzvorschriften attestierte, wirft ein Schlaglicht auf die Kommunikationskultur, die ihre Amtszeit prägt. [14] Hintergrund waren Textnachrichten zwischen von der Leyen und dem Vorstandsvorsitzenden des Pharmaunternehmens Pfizer, ausgetauscht während der Verhandlungen über milliardenschwere Impfstoffverträge. Die Nachrichten wurden auf Anfrage zunächst nicht herausgegeben. Später erklärte die Kommission, sie seien nicht mehr verfügbar. Das EU-Gericht urteilte, die Kommission habe damit gegen Transparenzregeln verstoßen und den Grundsatz guter Verwaltung verletzt.

Medien außerhalb der EU werteten die gerichtliche Entscheidung als schweren Schlag gegen von der Leyen und stellten kritisch heraus, unklar sei, ob die relevanten Textnachrichten gelöscht oder anderweitig unzugänglich gemacht wurden. [14] Dieser Fall betrifft zwar ein anderes Themenfeld als den Ukrainekrieg. Doch er nährt in Teilen der Öffentlichkeit den Verdacht, dass politisch heikle Informationen bewusst zurückgehalten werden. In diesem Rezeptionsrahmen erhalten auch sicherheitspolitische Aussagen von der Leyens eine zusätzliche skeptische Konnotation. Wer bei Impfstoffverträgen nicht transparent ist, könnte auch bei GPS-Vorfällen nicht die ganze Wahrheit sagen. Dieses Misstrauen ist nicht zwingend gerechtfertigt. Aber es ist menschlich nachvollziehbar.

Das Dilemma der geopolitischen Kommissionspräsidentin

Es wäre zu einfach, von der Leyen als bloße Propagandistin zu beschreiben. Die Recherchen, auf die sich dieser Artikel stützt, zeigen ein differenzierteres Bild. In Bezug auf russische Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur stützte sie sich überwiegend auf eine breite, auch durch außereuropäische Medien und OSINT-Analysen bestätigte Faktenbasis. Ihre Einschätzungen zur generellen russischen Nutzung hybrider Taktiken, zu Drohnen und GPS-Störungen, spiegeln die Bewertungen lokaler Behörden und westlicher Nachrichtendienste wider. [4] [7]

Das eigentliche Problem liegt nicht in bewusster Lüge, sondern in einem Kommunikationsstil, der unter Bedingungen hoher Unsicherheit auf dramatische Eindeutigkeit setzt. Politische Entscheidungsträger müssen in einer laufenden militärischen Auseinandersetzung kommunizieren, bevor vollständige Klarheit herrscht. Die Versuchung, Unsicherheiten zugunsten eines kohärenten Narrativs zu glätten, ist in dieser Situation strukturell angelegt. [15] Von der Leyens Kommunikationsstrategie scheint auf der Annahme zu beruhen, dass die langfristigen Kosten eines zu schwachen Signalgebens gegenüber Russland höher sind als die kurzfristigen Risiken, im Einzelfall zu weit vorgeprescht zu sein.

Diese Kalkulation mag sicherheitspolitisch vertretbar sein. Demokratiepolitisch ist sie problematisch. Denn sie akzeptiert in Kauf, dass ältere Bürger mit einem falschen oder stark überzeichneten Lagebild durch den Alltag gehen, ein Lagebild, das ihr Wahlverhalten beeinflusst, ihre Bereitschaft zur Unterstützung kostspieliger Militärhilfe prägt und ihre Einschätzung der russischen Bedrohung formt. Der Mechanismus ist nicht neu, aber er ist in der digitalen Wissensgesellschaft besonders ungerecht verteilt: Wer online ist, kann korrigieren. Wer es nicht ist, bleibt mit der ersten Version der Wirklichkeit zurück.

Die Asymmetrie der Aufmerksamkeit

In der Europäischen Union sind Menschen über sechzig die größte Wählergruppe. Sie haben in Prozentsätzen überdurchschnittliche Wahlbeteiligung. Sie empfangen ihre Nachrichten überwiegend über das Fernsehen und gedruckte Zeitungen. Sie sind die Mehrheit, die Wahlen entscheidet und Mandate legitimiert. Und sie sind die Gruppe, die am wenigsten in der Lage ist, die Narrative, die durch ihre Bildschirme fließen, mit Gegenquellen zu konfrontieren.

Das ist keine Kritik an dieser Generation. Es ist eine strukturelle Tatsache. Und Ursula von der Leyen kennt sie. Ihre Auftritte im Fernsehen sind präzise auf das Fernsehpublikum zugeschnitten: kurze Sätze, starke Bilder, moralische Gewissheit. Die Nuancen, die Korrekturen, die technischen Gegendarstellungen, sie finden im Internet statt, in einem Raum, den diese Mehrheit kaum betritt.

So entsteht eine strukturelle Desinformation, die ohne jede bewusste Lüge auskommt. Es reicht, schnell vor die Kameras zu treten, das Schlimmste zu vermuten und es mit der Autorität eines europäischen Spitzenamts zu sagen. Dass die Korrekturen kommen werden, ist einkalkuliert. Sie kommen zu spät, zu leise und ins falsche Wohnzimmer.

Der Plowdiw-Vorfall ist in diesem Sinne kein Ausrutscher, sondern ein Paradigma. Ein reales GPS-Problem, eine professionelle Pilotenreaktion, eine sichere Landung werden zu einem russischen Sabotageakt gegen die Person der EU-Kommissionspräsidentin. Das ist nicht das, was von der Leyen sagte. Aber es ist das, was nach ihrem Statement in der Welt war und blieb. Und niemand hat ernsthaft versucht, es zu berichtigen.

Das ist die eigentliche Geschichte hinter den Schlagzeilen. Nicht die Drohnen, nicht das GPS, nicht einmal Russland. Sondern die stille Entscheidung, ein falsches Bild stehenzulassen, weil es politisch nützlich ist. Und die noch stillere Entscheidung der Mainstreammedien, dabei mitzuspielen. Viele hoffen wir auf ein baldiges Ende ihrer politischen Laufbahn, weil sie die Schäden ihres Handelns für die Bürger als immens betrachten, deren Reparationen uns noch Jahrzehnte belasten.

Quellen

[1] Eigene Analyse auf Grundlage der Recherche: „Ursula von der Leyen, russische Angriffe und hybride Bedrohungen: Anspruch, Evidenz und mediale Deutung jenseits der EU", Einleitung und Fragestellung.

[2] European Commission, State of the Union Addresses 2019–2024, abrufbar unter ec.europa.eu; zitiert nach Recherche, Kapitel „Rolle der Kommissionspräsidentin im sicherheitspolitischen Diskurs".

[3] Radio Free Europe/Radio Liberty, Berichterstattung zu den russischen Drohnen- und Raketenangriffen auf ukrainische Energieinfrastruktur, Oktober 2022; zitiert nach Recherche, Kapitel „Fallstudie 1: Russische Drohnen- und Raketenangriffe".

[4] OSINT-Analysen westlicher Militärexperten und Forschungsinstitute zu Angriffen auf ukrainische Kraftwerke, Umspannwerke und Fernwärmeanlagen 2022–2024; zitiert nach Recherche, Kapitel „Fallstudie 1".

[5] Von der Leyen/NATO-Generalsekretär, gemeinsame Presseerklärung zum „Eastern Flank Watch"-Projekt, Anfang 2026; zitiert nach Recherche, Kapitel „Fallstudie 2: Drohnen, elektronische Kriegsführung und hybride Bedrohungen".

[6] Recherche, Kapitel „Die ‚Eastern Flank Watch' und die Drohnenthematik", Drohnenvorfall im lettischen Luftraum.

[7] Forschungsteams in Polen und Deutschland zur GPS-Störungskorrelation mit russischen Militäreinheiten in Kaliningrad; zitiert nach Recherche, Kapitel „Russlands Rolle bei GPS-Störungen: Evidenz und Unsicherheiten".

[8] EU-Kommission, Pressemitteilung zum GPS-Vorfall bei der Landung in Plowdiw/Bulgarien; zitiert nach Recherche, Kapitel „Fallstudie 3: Der GPS-Vorfall von Plowdiw".

[9] Internationale Medienberichterstattung zum Plowdiw-Vorfall, u.a. britische und US-amerikanische Titel; zitiert nach Recherche, Kapitel „Die erste Erzählung: Sabotage, Papierkarten und einstündige Warteschleife".

[10] Unabhängige Fact-Checking-Analysen, Auswertung von Flightradar24-Daten und Cockpit-Funkmitschnitten zum Plowdiw-Vorfall; Analyse der Financial Times-Ursprungsberichterstattung und ihrer Rezeption in niederländischen Medien; zitiert nach Recherche, Kapitel „Die Gegenrecherche: Flightradar, Cockpit-Funk und technische Systeme" und „Bewertung: Fehlende Evidenz, übersteigerte Narrative und Verantwortung".

[11] Aussage des bulgarischen Premierministers zu fehlenden Hinweisen auf einen gezielten Angriff auf ein bestimmtes Flugzeug; zitiert nach Recherche, Kapitel „Attribution und Intentionalität: Gezielt angegriffen oder im Jamming-Feld?".

[12] Von der Leyen, öffentliche Stellungnahmen zur Einordnung des Plowdiw-Vorfalls in das Muster russischer hybrider Aggressionen; zitiert nach Recherche, Kapitel „Attribution und Intentionalität".

[13] Medienkritische Beobachtungsplattformen außerhalb der EU zur Dynamik von Korrekturen und politischer Instrumentalisierung des Plowdiw-Narrativs; zitiert nach Recherche, Kapitel „Die Trägheit der Medien".

[14] EU-Gerichtsurteil zur „Pfizergate"-Affäre; internationale Medienberichterstattung; zitiert nach Recherche, Kapitel „Vertrauenskrisen und Transparenzdefizite: Das Beispiel ‚Pfizergate'".

[15] Recherche, Kapitel „Politische Kommunikation unter Unsicherheit" und „Querschnittsbetrachtung: Zwischen evidenzbasierter Warnung und narrativer Eskalation".

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