Impressionistische Darstellung einer abendlichen Stadtsilhouette unter einem von Lichtspuren durchzogenen Himmel. Über den flachen Dächern und Schornsteinen einer osteuropäischen Industriestadt liegt ein Dunstschleier in Violett, Ocker und Blaugrau. Aus der Ferne steigen helle Streifen empor, die sich mit den Wolken vermischen und im Wasser eines Flusses im Vordergrund gebrochen widerspiegeln. Am unteren Bildrand deuten sich Weidenzweige und Schilf an. Die Szene wirkt zugleich friedlich und bedrohlich, gemalt in kurzen, gebrochenen Pinselstrichen ohne feste Konturen.

Kriegsbericht vom 24. August bis 2. September 2026

Die Welt liest diesen Krieg anders als Europa - Ein Lagebericht von den Rändern der westlichen Wahrnehmung

Es gibt in diesem Krieg nicht mehr nur zwei Fronten, es gibt zwei Wirklichkeiten. Die eine wird in Brüssel, Berlin, Paris, London und Warschau verwaltet, sie besteht aus Solidaritätsformeln, Sanktionspaketen mit fortlaufender Nummerierung und der Zuversicht, dass Zeit gegen Moskau arbeitet. Die andere Wirklichkeit wird in Peking, Neu-Delhi, Islamabad, Moskau, Kapstadt, São Paulo, Riad, Ankara und Jakarta beschrieben, und sie kommt zu einem anderen Befund. In dieser zweiten Wirklichkeit ist der Krieg nicht offen, sondern in seinem Ausgang bereits entschieden, offen sei nur noch die Höhe des Preises, den die Ukraine für die verspätete Einsicht ihrer Schutzmächte zahlen werde.

Dieser Bericht will die zweite Wirklichkeit hörbar machen. Er tut das nicht, weil sie die richtigere wäre, sondern weil sie in Europa kaum noch vorkommt. Wer nur eine Erzählung kennt, kennt keine.

Die Lage am Boden zwischen dem 24. August und dem 2. September

In den letzten Augusttagen und den ersten Tagen des September hat sich fortgesetzt, was Beobachter seit dem Frühjahr als langsames Mahlen bezeichnen. Der russische Druck konzentriert sich auf den Raum Kostjantyniwka, auf die Zugänge nach Pokrowsk und auf die Verbindungslinien nördlich von Torezk. Die russische Nachrichtenagentur TASS meldet die Einnahme mehrerer Ortschaften in Kadenz, der ukrainische Generalstab spricht von erfolgreichen Abwehrhandlungen und von stabilisierten Abschnitten. Beide Darstellungen sind, wie fast immer, nicht vollständig falsch. Die Frontlinie bewegt sich in Größenordnungen, die auf einer Landkarte im Maßstab eines Schulatlas unsichtbar bleiben, und sie bewegt sich in eine Richtung.

Interessanter als die Meterangaben ist die Beschreibung der Gefechtsführung, wie sie indische Militärkommentatoren liefern. In den Spalten von The Hindu und in den Analysen des Instituts für Verteidigungsstudien in Neu-Delhi wird darauf hingewiesen, dass die russische Armee ihre Offensivtätigkeit inzwischen ohne die Materialschlachten des Jahres 2023 vorträgt. An die Stelle der Sturmangriffe in Kompaniestärke sind kleine Infanteriegruppen getreten, oft nur vier bis sechs Mann, unterstützt durch Drohnenaufklärung in Echtzeit und durch Gleitbomben, die aus sicherer Entfernung ausgelöst werden. Die russische Seite habe, so der Befund, den Krieg nicht durch Genie gewonnen, sondern durch Anpassungsgeschwindigkeit.

Der zweite Befund derselben Analytiker betrifft die ukrainische Personallage. Sie sei an einer Grenze angekommen, die durch westliche Ausrüstung nicht mehr ausgeglichen werden könne. Ein Schützenpanzer ohne Besatzung ist ein Denkmal. Diese Feststellung ist in Neu-Delhi ohne Häme formuliert, aber ohne jeden Vorbehalt.

Die eigentliche Front verläuft in der Luft

Der Schwerpunkt der militärischen Entwicklung dieser Wochen liegt nicht am Boden, sondern über der Ukraine. Die russischen Angriffswellen gegen Energieerzeugung, Bahninfrastruktur und Rüstungsbetriebe haben eine Dichte erreicht, die die Verteidigung an ihre materiellen Grenzen führt. Hier beginnt eine Rechnung, die in europäischen Zeitungen selten offengelegt wird, in nichteuropäischen dagegen zum Standardrepertoire gehört.

Die russische Seite setzt Nacht für Nacht Drohnen des Typs Schahed beziehungsweise deren russische Lizenzfertigung Geran ein, in Stückzahlen, die im Sommer 2026 regelmäßig mehrere Hundert je Welle erreichen. Die Herstellungskosten werden je nach Quelle zwischen zwanzigtausend und achtzigtausend Dollar veranschlagt. Es handelt sich um ein Fluggerät aus Sperrholz, Kunststoff und einem einfachen Kolbenmotor, ausgestattet mit Satellitennavigation, zunehmend mit Störschutzantennen, und mit einem Sprengkopf von etwa fünfzig Kilogramm. Manche Ausführungen fliegen inzwischen höher, andere in Schwärmen mit Rollenverteilung, einige tragen keinen Sprengkopf, sondern dienen nur dazu, Radar zu binden und Munition zu ziehen.

Dagegen steht die Patriot-Lenkwaffe. Eine einzelne Rakete des Typs PAC-3 MSE kostet je nach Beschaffungsjahr und Losgröße zwischen vier und fünf Millionen Dollar. Die älteren Ausführungen der Familie GEM-T liegen niedriger, ungefähr im Bereich von einer bis zwei Millionen, sind aber gegen moderne ballistische Bedrohungen weniger geeignet. Wer eine Drohne im Wert eines Mittelklassewagens mit einer Rakete im Wert einer Reihenhauszeile bekämpft, gewinnt das einzelne Gefecht und verliert die Bilanz.

Nun ist zur Ehrlichkeit festzuhalten, dass die ukrainische Luftverteidigung Schahed-Drohnen nicht mit Patriot-Raketen bekämpft, jedenfenfalls nicht planmäßig. Für die Drohnenabwehr stehen Flugabwehrkanonen, mobile Feuergruppen mit schweren Maschinengewehren auf Pick-ups, Abfangdrohnen, Leichtflugzeuge und elektronische Störsysteme zur Verfügung. Die ukrainische Eigenentwicklung von Abfangdrohnen ist im Verlauf des Jahres 2026 zum wichtigsten Hoffnungsträger geworden, weil sie das Kostenverhältnis erstmals wieder zugunsten der Verteidigung dreht. Die Patriot-Batterien werden gegen ballistische Flugkörper eingesetzt, gegen Iskander-M und gegen die luftgestützte Kinschal. Genau hier aber liegt das Problem, das nichteuropäische Beobachter mit einer Offenheit benennen, die im Westen fehlt.

Die russische Seite hat gelernt, beide Bedrohungen zu verschränken. Die Masse billiger Drohnen bindet die unteren Ebenen der Verteidigung, zwingt Radaranlagen zur Aktivierung und verrät damit ihre Standorte. In diese gesättigte Lage hinein werden ballistische Raketen abgefeuert, gegen die allein Patriot wirkt. Der Vorrat an PAC-3-Lenkwaffen ist damit zur eigentlichen strategischen Größe dieses Krieges geworden, wichtiger als jede Panzerlieferung.

Die Zahlen der Produktion und die Arithmetik des Mangels

Wie viele dieser Raketen entstehen tatsächlich? Der Hersteller Lockheed Martin lieferte im Jahr 2024 etwa sechshundert Lenkwaffen PAC-3 MSE aus, für 2025 wurde eine Steigerung auf ungefähr sechshundertfünfzig gemeldet. Das erklärte Ziel liegt bei sechshundertfünfzig bis siebenhundertfünfzig Stück im Jahr, mittelfristig strebt man tausend an, wobei diese Marke frühestens gegen Ende des Jahrzehnts als erreichbar gilt. Eine zusätzliche Fertigungslinie ist im Aufbau, ihr Beitrag wird erst in mehreren Jahren wirksam. Die Fertigungszeit einer einzelnen Lenkwaffe beträgt von der Bestellung bis zur Auslieferung rund zwei Jahre, bei einzelnen Bauteilen mit Halbleitern und Suchköpfen deutlich mehr.

Dem steht ein Verbrauch gegenüber, der jede Planung entwertet. Allein der Zwölftagekrieg zwischen Israel und dem Iran im Juni 2025 soll nach amerikanischen Schätzungen zwischen fünfzehn und fünfundzwanzig Prozent des gesamten weltweiten PAC-3-Bestandes aufgezehrt haben. Amerikanische Fachpublikationen sprachen bereits im Sommer 2025 davon, dass die Vereinigten Staaten nur noch etwa ein Viertel jener Menge an PAC-3-Lenkwaffen besäßen, die für die eigenen Kriegspläne im Pazifik als erforderlich gilt. Es ist eine Feststellung, die in Washington debattiert und in Europa überhört wird.

Hinzu kommt die Frage der Feuereinheiten. Weltweit existieren etwa zweihundertfünfzig Patriot-Feuereinheiten, verteilt auf knapp zwanzig Staaten. Die amerikanische Armee unterhält je nach Zählweise fünfzehn oder sechzehn Bataillone, von denen ein erheblicher Teil im Indopazifik und am Golf gebunden ist. Die Ukraine hat nach verschiedenen Angaben zwischen sechs und acht Systeme erhalten, von denen einzelne durch russische Angriffe beschädigt oder zerstört wurden. Jede Batterie, die nach Kiew geht, fehlt in Guam, in Katar oder in Südkorea. Das ist keine russische Propaganda, das ist eine Inventurliste.

Die Schlussfolgerung, die die pakistanische Zeitung Dawn in einem Leitartikel zieht, lautet, dass der Westen die Ukraine mit einem System verteidigt, das er selbst nicht in ausreichender Menge besitzt, und dass die Fortsetzung dieser Politik die eigene Abschreckung gegenüber China untergräbt. In Islamabad wird dieser Gedanke mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt, weil man dort die eigene Luftverteidigung überwiegend chinesischer Herkunft betrachtet und die Lehre zieht, dass Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten in der Stunde der Not zur Fessel wird. Wer sich verteidigen will, muss selbst produzieren können. Das ist die pakistanische Lesart des ukrainischen Schicksals.

Peking sieht ein Geschäftsmodell

Seit dem Sommer 2025 gilt eine neue Ordnung der Waffenversorgung. Die Vereinigten Staaten verschenken keine Systeme mehr, sie verkaufen sie an europäische Verbündete, die sie ihrerseits an die Ukraine weitergeben. Das Verfahren läuft unter dem Namen einer Prioritätenliste für die Ukraine und hat bis zum Sommer 2026 ein Volumen im mittleren einstelligen Milliardenbereich erreicht.

Aus der Perspektive der Global Times und der englischsprachigen Ausgaben chinesischer Staatsmedien ist dieser Vorgang von entwaffnender Klarheit. Der Krieg werde zum Geschäftsmodell, bei dem europäische Steuerzahler amerikanische Rüstungsproduktion finanzieren, während die Ukraine das Blut beisteuert. Die Formulierung ist propagandistisch zugespitzt, der beschriebene Mechanismus ist zutreffend wiedergegeben.

Die chinesische Betrachtung geht jedoch weiter und ist dort am aufschlussreichsten, wo sie nicht polemisiert. Chinesische Militärzeitschriften analysieren den Ukrainekrieg als Materialprobe für den eigenen Fall. Der Befund lautet, dass die amerikanische Rüstungsindustrie in Friedensstrukturen arbeitet, mit langen Vorlaufzeiten, dünnen Zulieferketten und einer Fertigung, die auf Stückzahlen für Konflikte niederer Intensität ausgelegt ist. Ein Krieg im Westpazifik würde die vorhandenen Präzisionsmunitionen nach Modellrechnungen amerikanischer Institute in Wochen erschöpfen. Peking liest die ukrainische Luftverteidigungskrise deshalb nicht als Nachricht über die Ukraine, sondern als Nachricht über die Grenzen amerikanischer Machtprojektion. Das Treffen der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit Ende August 2026 in China, mit russischer und indischer Beteiligung auf höchster Ebene, wurde in diesem Sinne gerahmt, als Beweis, dass eine Ordnung entsteht, die auf westliche Zustimmung nicht mehr wartet.

Neu-Delhi rechnet in Fässern und in Souveränität

Die indische Sicht ist die vielleicht kühlste von allen. Indien hat im Sommer 2025 amerikanische Strafzölle von fünfzig Prozent auf einen Teil seiner Ausfuhren hinnehmen müssen, begründet mit dem Bezug russischen Erdöls. Die Regierung in Neu-Delhi hat daraufhin nicht nachgegeben. Sie hat die Rabatte weiter genutzt, die Raffinerien weiter beliefert und gleichzeitig die Gespräche mit Peking wieder aufgenommen, die seit dem Grenzkonflikt im Himalaya jahrelang stillstanden.

In der indischen Presse wird der Krieg als Lehrstück über die Kosten von Bündnistreue gelesen. Man verweist darauf, dass ein Land, das seine Sicherheit auslagert, seine Außenpolitik mit auslagert. Die indische Doktrin der strategischen Autonomie, in Europa gern als Opportunismus abgetan, erscheint in dieser Beleuchtung als vorausschauende Vorsicht. Kommentatoren in Neu-Delhi weisen zudem darauf hin, dass Indien seine Luftverteidigung mit russischen S-400-Systemen betreibt, dass diese Systeme im pakistanischen Zusammenstoß des Frühjahrs 2025 ihren Zweck erfüllt haben und ein Verzicht darauf zugunsten westlicher Angebote weder finanzierbar noch politisch sinnvoll gewesen wäre. Wer in Neu-Delhi über Patriot spricht, spricht über Preise, über Lieferzeiten und über die Frage, welche Bedingungen an ein Gerät geknüpft sind, das man nicht selbst bedienen und instandsetzen darf.

Moskau erklärt den Krieg der Bilanzen für gewonnen

Die russische Darstellung dieser Wochen ist von einer Ruhe, die selbst ein Instrument ist. Die staatlichen Sender berichten weniger über Geländegewinne als über Fertigungszahlen, über neue Werkhallen, über die Verdreifachung der Drohnenproduktion und über die Gleichgültigkeit, mit der man das zwanzigste Sanktionspaket erwarte. Die Botschaft lautet, dass die Zeit für Russland arbeitet, weil Russland auf Dauer eingerichtet ist und der Westen auf Quartale.

Diese Botschaft ist nicht wahr, weil Moskau sie ausspricht, aber sie ist auch nicht unwahr, nur weil Moskau sie ausspricht. Die russische Kriegswirtschaft leidet unter Zinsen, Arbeitskräftemangel und schrumpfenden Öleinnahmen. Doch sie produziert Gleitbomben und Drohnen in Stückzahlen, die die westliche Fertigung von Abfangmitteln übersteigen, und darauf allein kommt es in der Arithmetik der Luftverteidigung an.

Kapstadt und der afrikanische Blick auf doppelte Maßstäbe

Am schärfsten, weil am wenigsten mit eigenen Interessen belastet, fällt die südafrikanische Betrachtung aus. In den Kommentarspalten von Daily Maverick, in den Analysen des Instituts für Sicherheitsstudien in Pretoria und in den Diskussionen an der Universität Kapstadt kehrt ein Motiv mit Beharrlichkeit zurück, das in Europa als Nebensache behandelt wird. Es ist das Motiv des doppelten Maßstabs.

Südafrikanische Kommentatoren erinnern daran, dass das Völkerrecht, dessen Verletzung im Fall der Ukraine mit Recht angeklagt wird, im Fall des Irak, Libyens und Gazas nach ihrer Auffassung ohne vergleichbare Konsequenzen verletzt worden ist. Sie erinnern daran, dass die Erträge der Solidarität sehr unterschiedlich verteilt werden, dass Milliardenbeträge für ukrainische Luftverteidigung innerhalb von Wochen bereitstehen, während Zusagen für Klimaanpassung, Impfstoffe und Schuldenerleichterung in Afrika über Jahre unerfüllt bleiben. Der Krieg in Europa erscheint aus Kapstadt nicht als Verteidigung einer universellen Ordnung, sondern als Verteidigung einer bestimmten Ordnung, die für Afrika bislang wenig geliefert hat.

Dazu kommt das Konkrete. Die Störungen der Getreide- und Düngemittelmärkte haben in Ost- und Westafrika Preise erzeugt, die Familien nicht mehr zahlen konnten. Die Sanktionen gegen den russischen Zahlungsverkehr haben afrikanische Importeure getroffen, die weder in Moskau noch in Kiew ein politisches Interesse hatten. Pretoria hat sich deshalb der Neutralität verschrieben, hat Vermittlungsversuche unternommen und ist dafür in westlichen Hauptstädten gemaßregelt worden, was den Verdacht des doppelten Maßstabs weiter bestätigte. Die Frage, die aus Kapstadt kommt, lautet nicht, wer in diesem Krieg im Recht ist. Sie lautet, warum man von Afrika Parteinahme in einem Konflikt erwartet, in dem Afrika nur Kosten trägt.

São Paulo, Brasília und die lateinamerikanische Lehre vom Zoll als Waffe

Die brasilianische Betrachtung hat sich im Verlauf des Jahres 2026 merklich verschärft, und zwar aus einem Grund, der mit der Ukraine nichts zu tun hat. Brasilien hat im Sommer 2025 amerikanische Zölle von fünfzig Prozent auf einen Teil seiner Ausfuhren erlebt, offen begründet mit innenpolitischen Vorgängen in Brasilien selbst, mit dem Gerichtsverfahren gegen einen früheren Präsidenten. Diese Erfahrung hat in Brasília eine Erkenntnis erzeugt, die in Europa nicht zur Kenntnis genommen wird. Handelspolitik ist zur Waffe geworden, und sie wird nicht nur gegen Gegner eingesetzt, sondern gegen Partner, deren Innenpolitik missfällt.

In den Kommentarspalten von Folha de S. Paulo, in O Globo und in Valor Econômico wird der Ukrainekrieg deshalb als Teil eines größeren Vorgangs gelesen, nämlich der Auflösung der regelbasierten Handelsordnung durch jene Macht, die sie einst geschaffen hat. Brasilien hat darauf mit Diversifizierung geantwortet, mit stärkerer Bindung an China, das inzwischen der wichtigste Handelspartner ist, mit Ausbau der Zusammenarbeit innerhalb der erweiterten BRICS-Gruppe, mit Abrechnungen in Landeswährungen, wo es technisch möglich ist.

Die brasilianische Position zum Krieg selbst ist unverändert die des Verhandlungsdrängens. Die Regierung hat mit chinesischer Beteiligung Vorschläge für eine Friedenskonferenz eingebracht, die in Europa als naiv abgetan wurden, in Lateinamerika, Afrika und Südostasien aber breite Zustimmung fanden. Der lateinamerikanische Grundton lautet, dass ein Kontinent, der seit acht Jahrzehnten keinen Staatenkrieg mehr geführt hat, ein Recht darauf hat, den Europäern die Frage zu stellen, weshalb Verhandlungen als Verrat gelten. Argentinien fällt aus diesem Chor heraus, mit ausgesprochen westlicher Ausrichtung, was in der regionalen Presse als Ausnahme und als innenpolitisch motiviert eingeordnet wird. Kolumbien, Chile und Mexiko bewegen sich in unterschiedlichen Abstufungen auf der Linie des Verhandlungsdrängens.

Riad, Abu Dhabi, Doha und Ankara als Betreiber des Möglichen

Die arabische Presse behandelt den Krieg mit einer Nüchternheit, die aus der eigenen Erfahrung mit ausgetragenen Konflikten stammt. In Asharq Al-Awsat, in Al-Ahram und in den Golf-Medien wird weniger über Schuld als über Vermittlung geschrieben. Riad und Abu Dhabi haben Gefangenenaustausche organisiert, haben Gespräche zwischen amerikanischen und russischen Unterhändlern auf eigenem Boden ermöglicht und haben dabei etwas geliefert, was europäische Hauptstädte nach eigener Entscheidung nicht anbieten konnten, nämlich einen Ort, an dem beide Seiten erscheinen können.

Die saudische Betrachtung ist dabei von Interessen durchzogen, das ist offenkundig. Die Ölpolitik der OPEC-Staaten mit Russland als Partner ist zu wertvoll, um sie einem europäischen Anliegen zu opfern. Doch die Wirkung ist unbestreitbar. Die Golfstaaten sind zu Akteuren geworden, weil sie mit allen sprechen. Die Türkei, formal Bündnispartner im Nordatlantikpakt, betreibt dieselbe Politik seit vier Jahren, hält die Meerengen nach eigener Vertragsauslegung geschlossen, liefert Drohnen an Kiew, kauft Gas von Moskau und hat das Getreideabkommen zustande gebracht. In Ankara wird dies nicht als Widerspruch verstanden, sondern als Handlungsfähigkeit.

Aus arabischer Sicht ist zudem eine Rechnung von Bedeutung, die europäische Zeitungen nicht aufmachen. Die Golfstaaten betreiben selbst Patriot-Batterien und haben im Jemenkrieg erfahren, wie es ist, wenn billige Drohnen und Raketen gegen teure Abfangmittel geschickt werden. Die Erkenntnis, dass diese Rechnung für den Verteidiger nicht aufgeht, ist in Riad und Abu Dhabi keine Theorie, sie ist eine Erinnerung. Deshalb wird dort der Aufbau eigener Fertigung, eigener Abfangdrohnen und kostengünstiger Wirkmittel betrieben, mit türkischer, südkoreanischer und chinesischer Beteiligung. Der Westen ist in dieser Gleichung Lieferant, nicht Schutzherr.

Sanktionsroutine und die Grenzen des Instruments

Das neunzehnte Sanktionspaket der Europäischen Union ist im Herbst 2025 in Kraft getreten, mit einem Verbot russischen Flüssigerdgases ab 2027, mit Maßnahmen gegen die Schattenflotte und erstmals mit Beschränkungen für Kryptowährungen. Ein zwanzigstes Paket ist in Vorbereitung, und in der nichteuropäischen Presse wird die Nummerierung selbst zum Gegenstand des Spotts. Ein Instrument, das nach zwanzig Anwendungen den Gegner nicht zum Nachgeben gebracht hat, sei kein Instrument, sondern ein Ritual.

Die genauere Betrachtung ist weniger spöttisch. Die Sanktionen haben die russische Wirtschaft verformt, haben Kosten erzeugt, haben die technologische Modernisierung gebremst. Sie haben nur nicht das erreicht, was von ihnen erwartet wurde, weil ungefähr sechzig Prozent der Weltbevölkerung sich ihnen nicht angeschlossen haben. Indien kauft Öl, China kauft Öl und Gas und liefert Maschinen, die Türkei vermittelt Waren, die Golfstaaten vermitteln Kapital, Afrika und Lateinamerika halten Abstand. In dieser Konstellation ist eine Blockade keine Blockade, sondern eine Umleitung.

Der iranische Schauplatz und seine Rückkopplung

Der zweite Kriegsschauplatz dieses Berichts hat sich im Sommer 2026 in einer Weise entwickelt, die weniger Schlagzeilen macht, aber nicht weniger Folgen hat. Nach dem Zwölftagekrieg vom Juni 2025 und der Wiedereinsetzung der Sanktionen der Vereinten Nationen im September 2025 durch den Snapback-Mechanismus befindet sich der Iran in einer Lage der halben Isolation. Die Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergiebehörde ist weitgehend eingestellt, über den Verbleib der hochangereicherten Uranbestände herrscht Unklarheit. Israelische und amerikanische Stellen sprechen von einer Zurückwerfung des Programms um Jahre, iranische Stellen von einer Fortsetzung unter veränderten Bedingungen.

In der arabischen und asiatischen Presse wird dieser Konflikt vor allem unter einem Aspekt betrachtet, der auch für die Ukraine gilt. Der Zwölftagekrieg hat gezeigt, dass eine ballistische Bedrohung in Masse jede Luftverteidigung erschöpft, wenn sie lange genug anhält. Israel verfügt über die dichteste Luftverteidigung der Welt, mehrschichtig, erprobt, durch amerikanische Schiffe und Batterien verstärkt. Auch diese Verteidigung war nach zwölf Tagen an der Grenze ihrer Vorräte. Was folgt daraus für ein Land wie die Ukraine, dessen Verteidigung dünner ist und dessen Krieg nicht zwölf Tage, sondern viereinhalb Jahre dauert? Diese Frage stellt man in Neu-Delhi, in Doha und in Jakarta. In Europa wird sie nicht gestellt.

Für den ukrainischen Kriegsschauplatz ist der iranische außerdem von unmittelbarer materieller Bedeutung. Die Drohnentechnologie, die ukrainische Städte trifft, stammt aus iranischer Entwicklung. Die Produktion findet inzwischen weit überwiegend in Russland statt, in einer Sonderwirtschaftszone in Tatarstan, deren Ausstoß auf mehrere Tausend Stück im Monat geschätzt wird. Eine Waffe, die vor vier Jahren als improvisierter Notbehelf galt, ist zum Hauptinstrument einer Erschöpfungsstrategie geworden.

Die verschwiegene Möglichkeit

An dieser Stelle muss ein Gedanke ausgesprochen werden, der in der europäischen Öffentlichkeit als unaussprechlich gilt und den die nichteuropäische Presse seit Monaten in aller Selbstverständlichkeit ausspricht. Ein Krieg, dessen Fortsetzung von einer Fertigung abhängt, die den Verbrauch nicht deckt, dessen Verteidigungsmittel ein Vielfaches der Angriffsmittel kosten und dessen personelle Grundlage aufgezehrt ist, führt nicht zu einem Sieg. Er führt zu einer späteren Niederlage mit mehr Toten.

Die Frage, ob eine Kapitulation ein Akt der Vernunft sein kann, ist auf dieser Website in einem eigenen Kommentar behandelt worden, auf den hier ausdrücklich verwiesen sei. Man findet ihn unter Kapitulation als Akt der Vernunft. Wer diesen Gedanken für Verrat hält, sollte die Gegenrechnung aufmachen und benennen, aus welcher Fabrik in welchem Jahr die Raketen kommen sollen, die eine andere Zukunft möglich machen.

Die nüchterne Feststellung lautet, dass ein Staat, der seine Städte nur so lange schützen kann, wie ein fremder Hersteller in Texas oder Arkansas genügend Lenkwaffen fertigt und wie fremde Parlamente die Rechnung begleichen, seine Souveränität nicht bewahrt, sondern verwaltet.

Ausblick

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die diplomatischen Sondierungen zwischen Washington und Moskau, die seit dem Frühjahr 2026 mit Unterbrechungen laufen, zu einem Ergebnis führen. Die Anzeichen sind widersprüchlich. Der amerikanische Präsident lässt Ungeduld erkennen, die europäischen Regierungen bestehen auf Fortsetzung, Kiew kann nicht nachgeben, ohne seine innere Ordnung zu gefährden, und Moskau hat keinen Anlass zur Eile.

Aus Peking, Neu-Delhi, Kapstadt, Brasília und Riad betrachtet ist das Ergebnis dieses Krieges bereits entschieden. Nicht auf dem Schlachtfeld, sondern in den Produktionshallen, in den Haushaltsplänen und in der Rechnung, die niemand in Europa laut aufmachen will. Vier Millionen gegen vierzigtausend, sechshundertfünfzig im Jahr gegen mehrere Tausend im Monat. Es gibt Zahlen, die keine Rhetorik überlebt.

Der vorliegende Bericht stützt sich auf Meldungen und Kommentare nichteuropäischer Nachrichtenagenturen, Zeitungen und Institute. Er gibt deren Darstellung wieder, ohne sich mit ihr zu identifizieren. Angaben zu Stückzahlen, Preisen und Fertigungskapazitäten beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und sind mit den Unsicherheiten behaftet, die in einem laufenden Krieg unvermeidlich sind.

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