Impressionistische Symbolszene mit brennender Raffinerie, Öltanker und europäischem Industriehafen als Sinnbild der wirtschaftlichen Folgen der Kriege.

Kriegsbericht vom 20. bis 25. September 2026

Die Rechnung für die EU Bürger kommt

Ukraine und Iran. Internationale Presseschau und Analyse. Recherchestand: 25. September 2026, 9.30 Uhr EET, entsprechend 10.30 Uhr Sommerzeit in Bukarest. Der gewünschte Endzeitpunkt von 10 Uhr EET war bei Beginn dieser Ausarbeitung noch nicht erreicht.

Die Kriege haben eine gemeinsame Adresse bekommen. Sie liegt weder in einem ukrainischen Schützengraben noch in einem Regierungsgebäude in Teheran. Sie liegt dort, wo Rohöl in Treibstoff verwandelt wird und Schiffe die Ladung zu ihren Käufern bringen. Zwischen dem 20. und dem Morgen des 25. September verdichteten sich Meldungen über beschädigte Anlagen, gefährdete Seewege und diplomatische Versuche, wenigstens einen Teil der Zerstörung anzuhalten. Die Front reicht damit bis in die Kalkulation eines europäischen Fuhrunternehmens.

Wer die Woche aus Peking, Moskau, Neu Delhi, Karatschi oder Brasilien betrachtet, sieht andere Schwerpunkte als in europäischen Regierungserklärungen. Souveränität, Versorgung und die Grenzen amerikanischer Macht treten hervor. Doch auch außerhalb Europas spricht die Presse nicht mit einer Stimme. Dieser Bericht untersucht ausgewählte Veröffentlichungen. Sie bilden weder die gesamte öffentliche Meinung ihrer Länder ab, noch beweist ihre abweichende Gewichtung für sich genommen eine umfassende Zensur in der Europäischen Union.

Der Schlag gegen Moskaus Raffinerie

Am 20. September traf ein Drohnenangriff die Moskauer Raffinerie von Gazprom Neft. Nach einem Bericht von Reuters vom 21. September wurde die Rohölverarbeitung eingestellt. Drei Branchenquellen berichteten von Bränden an beiden primären Destillationsanlagen und möglichen Reparaturen über mehrere Wochen. Bürgermeister Sergej Sobjanin bestätigte Schäden an einer Industrieanlage auf dem Gelände. Der Betreiber antwortete zunächst nicht. Das Werk hatte 2024 rund 11,6 Millionen Tonnen Rohöl verarbeitet. Ein Produktionsstillstand ist allerdings nicht gleichbedeutend mit der dauerhaften Zerstörung der gesamten Raffinerie.

Die Unterscheidung entscheidet über die wirtschaftliche Bilanz. Ein ausgebrannter Tank, eine beschädigte Stromversorgung und eine zerstörte Destillationskolonne haben verschiedene Folgen. Auch die Nennleistung einer getroffenen Anlage darf nicht kurzerhand als dauerhaft verlorene Produktion verbucht werden. Entscheidend sind Auslastung, Reparaturdauer, Ersatzteile und die Möglichkeit, Verarbeitung in andere Werke zu verlagern. Wer aus jedem Brandbild einen endgültigen Zusammenbruch der russischen Ölindustrie ableitet, verwechselt die Wirkung einer Aufnahme mit der Wirkung eines Angriffs.

Dennoch trifft die Kampagne einen empfindlichen Punkt. Rohöl im Boden fährt keinen Lastwagen. Erst die Verarbeitung macht daraus Diesel, Benzin oder Flugtreibstoff. Der militärische Gedanke hinter solchen Angriffen ist nachvollziehbar: Versorgung erschweren und wirtschaftliche Mittel des Gegners schmälern. Die Rechnung endet aber nicht an Russlands Grenze. Derselbe Kraftstoffmarkt versorgt zivile Verbraucher und Unternehmen in zahlreichen Ländern.

Russische Zahlen und russische Deutungen

Bemerkenswert sind deshalb Meldungen der staatlichen russischen Agentur TASS, die keine ungebrochene wirtschaftliche Erfolgsgeschichte erzählen. Am 24. September berichtete sie unter Berufung auf das Wirtschaftsministerium über eine abgesenkte Prognose für die Förderung von Öl und Kondensat. Erwartet werden 494,2 Millionen Tonnen im Jahr 2026, rund 3,36 Prozent weniger als im Vorjahr. Eine weitere TASS Meldung zu den Ölprodukten nennt erwartete Exporte von 98,5 Millionen Tonnen, einen Rückgang um 21,7 Prozent. Das sind Prognosen, keine abgeschlossene Jahresbilanz.

Vor allem sind Förderung, Verarbeitung und Export verschiedene Größen. Die Rückgänge dürfen nicht vollständig ukrainischen Drohnen zugerechnet werden. Absatzbedingungen, Sanktionen, inländische Nachfrage und staatliche Entscheidungen können ebenfalls wirken. Die russischen Angaben belegen jedoch, dass wirtschaftliche Belastungen auch in der offiziellen Berichterstattung sichtbar werden.

Politisch bleibt der Ton hart. Außenminister Sergej Lawrow erklärte am 23. September nach Darstellung von TASS, Russland werde seine Kriegführung während Verhandlungen nicht unterbrechen. Er begründete dies mit dem Vorwurf, Europa wolle der Ukraine lediglich Zeit zur Wiederbewaffnung verschaffen. Das beschreibt Moskaus Verhandlungsposition. Es beweist weder die unterstellten europäischen Absichten noch die Unmöglichkeit einer Vereinbarung. Wer einen schnellen Frieden fordert, muss auch diese russische Weigerung in seine Rechnung aufnehmen.

Die arabische Perspektive auf die Ukraine

Al Jazeera meldete am 23. September Selenskyjs Bereitschaft zu einem gegenseitigen Verzicht auf Angriffe gegen Energieanlagen. Am folgenden Tag berichtete der Sender über acht Tote durch russische Angriffe.

Damit stehen zwei Tatsachenkomplexe nebeneinander, die eine reine Betrachtung russischer Raffinerieschäden verfehlen würde. Die Ukraine versucht, den Krieg wirtschaftlich nach Russland zurückzutragen. Ihre eigene Bevölkerung bleibt zugleich russischen Angriffen ausgesetzt. Über Europas Kraftstoffrechnung zu sprechen, verlangt nicht, diese Menschen aus dem Bericht zu entfernen.

Eine gesonderte Analyse von Al Jazeera beschreibt die Hindernisse eines Energiemoratoriums. Moskau verbindet den Vorschlag mit Fragen seiner Energieexporte und der Sanktionen. Kiew lehnt Sanktionslockerungen unter fortgesetzten Angriffen ab. Aus dem scheinbar einfachen Tausch, keine Raffinerien gegen keine Kraftwerke, wird damit eine Verhandlung über die wirtschaftlichen Bedingungen des gesamten Krieges.

Der zweite Krieg liegt am Meer

Im Krieg um Iran entscheidet nicht allein die Zahl zerstörter Ziele. Entscheidend ist auch, wer Handelswege öffnen, sperren oder verteuern kann. Reuters berichtete am 24. September über Gespräche über ein stufenweises Abkommen. Nach Angaben von Gesprächsquellen geht es um die Wiederöffnung der Straße von Hormus und das Ende der amerikanischen Blockade. Eine solche Meldung belegt diplomatische Arbeit, noch keinen vereinbarten Frieden.

Die pakistanische Zeitung Dawn berichtete am Morgen des 25. September ebenfalls über einen schrittweisen Ausweg zwischen Washington und Teheran.

Gleichzeitig bleibt die Ausweitung des Krieges eine Gefahr. TASS verbreitete am 24. September Angaben der Huthi über Angriffe auf ein Ziel in Riad und Anlagen von Saudi Aramco in Yanbu. Diese Darstellung stammt von einer Konfliktpartei. Aus der Ankündigung eines Treffers lässt sich ohne weitere Bestätigung weder sein Erfolg noch das Ausmaß eines Produktionsausfalls ableiten. Sie zeigt aber, welche Infrastruktur unter Druck gesetzt werden soll.

Für Händler und Reeder genügt schon die Unsicherheit, um vorsichtiger zu disponieren. Versicherungen, Umwege und verzögerte Ladungen können Energie verteuern, selbst wenn nicht jede angekündigte Attacke ihr Ziel erreicht. Eine Waffenruhe müsste deshalb mehr sichern als das Ende einzelner Luftangriffe. Sie müsste den regelmäßigen Verkehr wieder berechenbar machen.

Pekings Angebot und Indiens Rechnung

Die chinesische Staatsagentur Xinhua setzte am 25. September einen anderen Akzent. Ihr Bericht über Xi Jinpings Gespräch mit Donald Trump vom Vortag betont die Achtung staatlicher Souveränität und Sicherheit. Xi unterstütze eine Rückkehr zum Verständigungsmemorandum von Islamabad und Verhandlungen über eine umfassende Vereinbarung einschließlich der Atomfrage. Peking präsentiert sich damit als Fürsprecher eines politischen Auswegs. Das ist die offizielle chinesische Position, kein unabhängiges Urteil über die Erfolgsaussichten.

In Indien verbindet sich die strategische Debatte mit dem Geschäft der Raffinerien. Moneycontrol veröffentlichte am Abend des 24. September einen Bloomberg Bericht über die Fortsetzung indischer Dieselausfuhren. Ölminister Hardeep Puri erklärte, sein Land werde Lieferverpflichtungen erfüllen. Nach den dort genannten Daten von Kpler entfielen in diesem Jahr ungefähr zehn Prozent der weltweiten Dieselverschiffungen auf Indien. Ein möglicher amerikanischer Exportstopp wurde als Risiko behandelt, nicht als bereits geltende Maßnahme.

Das verschiebt den Blick. Für einen großen Verarbeiter ist russisches Öl zugleich eine Frage von Einkauf, Lieferfähigkeit und außenpolitischem Handlungsspielraum. Die europäischen Staaten erscheinen aus dieser Perspektive nicht als alleiniger Maßstab der Weltwirtschaft. Ihre Sanktionen und Sicherheitsinteressen treffen auf andere Staaten, die ihre eigenen Verbraucher und Absatzmärkte berücksichtigen.

Auch die militärische Bewertung fällt anders aus. Moneycontrol berichtete am 24. September über eine Einschätzung des früheren indischen Armeekommandeurs Syed Ata Hasnain, wonach Iran den Krieg nicht verloren habe. Er hob Widerstandskraft und gesellschaftliche Entschlossenheit hervor. Das ist eine namentlich zugeordnete Analyse. Sie erinnert daran, dass überlegene Feuerkraft und ein politisch durchsetzbarer Sieg nicht dasselbe sind.

Brasilien sieht Macht und Kaufkraft

Eine schärfer gegen Washington gerichtete Lesart findet sich bei Brasil 247. Der Historiker João Claudio Platenik Pitillo argumentierte in seinem Kommentar vom 23. September, die amerikanische Erwartung einer schnellen Niederwerfung Irans habe sich nicht erfüllt. Wirtschaftlicher Druck trete an die Stelle des ausgebliebenen entscheidenden militärischen Erfolgs. Der Beitrag ist ausdrücklich als Meinung gekennzeichnet. Seine Deutung darf daher nicht als gesicherte militärische Gesamtbilanz ausgegeben werden.

Nüchterner erscheint derselbe Konflikt bei Agência Brasil am 23. September. Die öffentliche Nachrichtenagentur beschreibt den Zusammenhang zwischen Spannungen um Iran, steigenden Ölpreisen und Inflationssorgen. Sie nennt daneben amerikanische Zinsen und die brasilianische Wahlentwicklung als Einflussgrößen auf die Finanzmärkte. Gerade diese Mehrzahl der Ursachen ist aufschlussreich. Der Krieg wirkt bis Südamerika, erklärt aber auch dort nicht jede wirtschaftliche Bewegung.

Die ausgewählten brasilianischen Beiträge zeigen somit zwei Ebenen: Kritik an amerikanischer Machtpolitik und Sorge um die eigene Wirtschaft. Beides lässt sich ernst nehmen, ohne daraus eine einheitliche südamerikanische Haltung zu konstruieren.

Was Europas Bürger bezahlen

Am deutlichsten wird der europäische Zielkonflikt in einer TASS Meldung vom 24. September über Emmanuel Macron. Nach ihrer Wiedergabe eines französischen Fernsehinterviews räumte der Präsident ein, ukrainische Raffinerieangriffe verschärften die Kraftstoffprobleme Europas. Als Hauptursache nannte er die unterbrochenen Lieferungen aus dem Nahen Osten. Allein wegen höherer europäischer Preise wolle er Kiew dennoch nicht zur Einstellung der Angriffe auffordern.

Hier liegt eine politische Abwägung offen. Die Unterstützung der Ukraine soll militärischen Nutzen bringen, während bestimmte Angriffe wirtschaftliche Rückwirkungen auf die Unterstützer haben können. Es ist legitim, nach dem Verhältnis beider Größen zu fragen. Eine Regierung sollte erklären können, welchen erreichbaren Zweck sie verfolgt und welche Kosten sie ihrer Bevölkerung dafür zumutet.

Die wirtschaftliche Übertragung ist grundsätzlich einfach. Fehlen international angebotene Ölprodukte, suchen Käufer andere Lieferanten. Steigt dort die Nachfrage schneller als die lieferbare Menge, erhöht sich der Preisdruck. Eine beschädigte Raffinerie kann zugleich weniger Rohöl nachfragen. Deshalb müssen Rohölpreis und Dieselpreis nicht gleichlaufen. Europas Abkehr von direkten russischen Lieferungen schirmt seine Verbraucher nicht vollständig vom Weltmarkt ab.

Der Beitrag Europa, Russland und die amerikanische Rechnung beschreibt auf dieser Website den größeren Zusammenhang zwischen veränderten Energiebeziehungen und industriellen Kosten. Die Ereignisse dieser Woche geben Anlass, diese Frage erneut zu stellen. Einen belastbaren Betrag, den allein die ukrainischen Angriffe pro Liter europäischen Diesels verursachen, liefern die hier ausgewerteten Quellen jedoch nicht.

Für Haushalte mit kleinen Einkommen bleibt schon eine begrenzte Verteuerung schmerzhaft. Sie können notwendige Fahrten und Heizbedarf weniger leicht aus ihrem Budget streichen. Unternehmen können Kosten weiterreichen, Margen aufgeben oder Investitionen verschieben. Welche Wirkung überwiegt, unterscheidet sich nach Branche und Land. Die Gefahr sinkender Kaufkraft ist deshalb ernst zu nehmen, ohne die Verarmung Europas auf eine einzige Kriegsentscheidung zurückzuführen. Eine Mehrheit zur weiteren Unterstützung der Ukraine scheint es nur bei den machthabenden Politikern abr nich bei den EU Bürgern nicht zu geben. Warum will von der Layen, Merz und ihre Freunde die Ekalation?

Die unbequeme Frage der Kapitulation

Der Kommentar Kapitulation als Akt der Vernunft vertritt die These, eine geordnete Aufgabe des ukrainischen Widerstands könne weiteres Sterben und weitere Zerstörung verhindern. Der Gedanke verdient eine sachliche Prüfung. Politische Verantwortung darf nicht allein daran gemessen werden, wie lange eine Regierung Durchhaltewillen bekundet. Sie muss auch die erreichbaren Ergebnisse gegen die Opfer des nächsten Kriegsmonats abwägen.

Für eine Kapitulation spräche unter bestimmten Bedingungen, dass sie Kampfhandlungen rasch beendet, Menschenleben bewahrt und die verbliebene Infrastruktur erhält. Entscheidend wären jedoch die konkreten Bedingungen. Werden Zivilisten geschützt, Gefangene freigelassen und staatliche Handlungsfähigkeit bewahrt? Wer überwacht Zusagen? Was geschieht bei ihrem Bruch? Ohne Antworten bleibt die Hoffnung auf Rettung durch Aufgabe ebenso unvollständig wie das Versprechen einer Rettung durch unbegrenztes Weiterkämpfen.

Eine bedingungslose Kapitulation könnte dagegen politische Unterwerfung und neue Gefährdungen bringen. Für die Ukraine zählt deshalb nicht nur, ob weniger geschossen wird, sondern auch, unter welcher Ordnung ihre Menschen anschließend leben. Europa kann seine niedrigeren Energiekosten nicht zum alleinigen Maßstab dieser Entscheidung machen.

Ein Kriegsende könnte Reparaturen erleichtern und Risiken vermindern. Es öffnete jedoch nicht automatisch Hormus, beseitigte keine beschädigten Anlagen und setzte keine Sanktionen von selbst außer Kraft. Die ukrainische Kapitulation könnte eine Möglichkeit sein die weitere Deindustrialisierung Europas beenden um die fortschreitende Verarmung europäischer Bürger zu verhindern.

Zwischen Fortsetzung ohne erkennbares Ende und vollständiger Aufgabe liegen verhandelte Möglichkeiten. Das diskutierte Energiemoratorium wäre eine davon. Es müsste überprüfbare Regeln, eindeutige Zuständigkeiten und Folgen für Verstöße enthalten. Sein Wert läge zunächst ganz handfest darin, Anlagen und Menschen zu erhalten, während über die schwierigeren politischen Fragen weitergesprochen wird.

Die Bilanz vor dem Winter

Die ausgewerteten Meldungen erlauben weder die Verkündung eines unmittelbar bevorstehenden ukrainischen Zusammenbruchs noch die eines sicheren amerikanischen Sieges über Iran. Sie zeigen beschädigte Wirtschaftsgrundlagen, konkurrierende Deutungen und Verhandlungen unter fortgesetztem Druck. Die außereuropäischen Stimmen erweitern dabei den Blick auf Kosten, die keine Frontkarte vollständig abbildet.

Europas Aufgabe wäre, diese Rechnung öffentlich zu führen. Dazu gehören die Folgen russischer Angriffe ebenso wie die Rückwirkungen ukrainischer Operationen und des Krieges um Iran. Diplomatie muss sich an weniger Toten und verlässlicheren Lebensbedingungen messen lassen. Bis dahin bleibt der Krieg auch dort gegenwärtig, wo keine Sirene zu hören ist: an der Tankstelle, im Betrieb und am Küchentisch.

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