Ukraine-Krieg: Russische "Terror"-Angriffe auf Odessa, Selenskyjs Golf-Diplomatie und neue Front am Sewerskyj Donez – Die Lage am 29. März 2026
Vorbemerkung: Der folgende Bericht fasst die militärischen und diplomatischen Entwicklungen im russisch-ukrainischen Krieg für den 29. März 2026 zusammen. Berücksichtigt wurden neben westlichen und ukrainischen Quellen auch Darstellungen aus russischen, chinesischen, indischen und arabischen Medien.
1. Russische Nachtangriffe: Fünf Tote, Dutzende Verletzte – Entbindungsklinik in Odessa getroffen
In der Nacht zum 29. März 2026 hat Russland eine der bislang schwersten Drohnenwellen über der Ukraine gestartet. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe setzte Moskau 273 Kampfdrohnen ein, von denen 252 abgeschossen oder durch elektronische Kampfführung neutralisiert wurden . Die Angriffe forderten landesweit mindestens fünf Todesopfer und 16 Verletzte .
Besonders schwer traf es die südukrainische Hafenstadt Odessa. Dort kamen nach Angaben der militärischen Administration zwei Menschen ums Leben, mindestens 13 wurden verletzt . Getroffen wurden eine Entbindungsklinik, Wohngebäude, gewerbliche Einrichtungen, der Hafen sowie kritische Infrastrukturanlagen . AFP-Bilder zeigten zerstörte Fenster, Trümmer in den Gebäuden und Glasscherben auf dem Boden von Behandlungszimmern der Klinik .
Präsident Wolodymyr Selenskyj verurteilte die Angriffe auf Odessa scharf: "Es gab keinerlei militärischen Zweck – dies war reiner Terror gegen das normale zivile Leben" . Außenminister Andrij Sybiha ergänzte: "Nur wahre Barbaren können so etwas tun. Und nur wahre Stärke kann diesen Terror stoppen" .
2. Weitere russische Angriffe: Krywyj Rih, Poltawa und Energieinfrastruktur betroffen
In Krywyj Rih, der Heimatstadt Selenskyjs, wurde bei einem morgendlichen Angriff auf ein Industriegelände ein Mann getötet. Die Regionalverwaltung von Dnipro meldete Brände an der Einschlagsstelle .
In der zentralukrainischen Region Poltawa kam ein 55-jähriger Mitarbeiter des staatlichen Ölkonzerns Naftogaz ums Leben, als russische Drohnen ein Wohngebäude und Industrieanlagen trafen . Das Unternehmen teilte auf Telegram mit: "Wir haben einen tragischen Verlust erlitten. Dies ist der zweite Tod eines unserer Kollegen in dieser Woche." Die Gasförderanlagen in der Region seien bereits "am dritten Tag in Folge" angegriffen worden .
Die ukrainische Hafenbehörde meldete zudem Schäden an einem Hafen in der Region Odessa, nachdem mehrere Einschläge auf dessen Infrastruktur verzeichnet wurden .
3. Ukrainische Gegenangriffe: Explosionsstoffwerk in Samara und Raffinerie in Jaroslawl getroffen
Die ukrainischen Streitkräfte setzten ihre Angriffe auf russische militärische Infrastruktur fort. Nach Angaben des Generalstabs trafen ukrainische Drohnen in der Nacht zum 29. März das Explosivstoffwerk "Promsintez" in der russischen Region Samara. Das Werk produziert große Mengen militärischer Sprengstoffe. Der Generalstab bestätigte eine Explosion im Produktionsbereich; das Ausmaß der Zerstörung werde noch bewertet .
Bereits am Vortag hatte die Ukraine nach eigenen Angaben eine große Ölraffinerie in der Region Jaroslawl nordöstlich von Moskau angegriffen. Der Angriff verursachte einen Brand auf dem Gelände der Raffinerie, die nach ukrainischen Angaben kritisch für die Logistik der russischen Armee ist .
Die russische Seite meldete ihrerseits, dass in der Nacht zum 29. März 155 ukrainische Drohnen über russischem Territorium abgefangen und zerstört wurden . In der Region Jaroslawl wurde nach Angaben von Gouverneur Michail Jewrajew ein Kind bei einem Drohnenangriff getötet . Auch der Hafen von Ust-Luga in der Region Leningrad wurde nach Angaben des Gouverneurs bei einem ukrainischen Drohnenangriff beschädigt; ein Feuer brach aus .
4. Frontgeschehen: Russische Offensive im Donbass und Verminung des Sewerskyj Donez-Kanals
Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs haben die russischen Streitkräfte ihre Angriffe im Raum Pokrowsk verstärkt. Der Schwerpunkt liege auf Vorstößen in Richtung Hryschyne und Rodynske, wobei die russischen Truppen leicht gepanzerte Fahrzeuge, ATVs und kleine Infanteriegruppen einsetzen . Trotz verstärkten Einsatzes gelenkter Bomben und Drohnen hielten die ukrainischen Streitkräfte ihre Stellungen und zerstörten in den letzten Tagen mehrere russische Artilleriesysteme .
Die russische Nachrichtenagentur TASS berichtete unter Berufung auf russische Strafverfolgungsbehörden, dass die ukrainischen Streitkräfte eine groß angelegte Verminungsaktion am Sewerskyj Donez-Donbass-Kanal durchgeführt hätten. "Der Feind bereitet sich darauf vor, russische Truppen am Sewerskyj Donez-Donbass-Kanal zu empfangen. Nach vorliegenden Informationen hat er den Kanal und das umliegende Gebiet großflächig vermint", zitierte TASS die Quelle . Der Kanal ist eine kritische Wasserstraße für die Versorgung des Donbass.
Die russischen Streitkräfte erklärten zudem, dass seit Jahresbeginn mehr als 370 ukrainische Familien über russische Rückmelde-Bots Kontakt aufgenommen hätten, um das Schicksal ihrer vermissten Angehörigen in den ukrainischen Streitkräften zu erfahren .
5. Verlustzahlen: Ukrainischer Generalstab meldet 1.360 russische Verluste in 24 Stunden
Der ukrainische Generalstab veröffentlichte am Morgen des 29. März aktualisierte Verlustzahlen der russischen Streitkräfte. Demnach wurden seit Kriegsbeginn etwa 1.295.830 russische Soldaten getötet oder verwundet – ein Anstieg um 1.360 allein in den letzten 24 Stunden .
Zerstört wurden nach ukrainischen Angaben: 11.820 Panzer (+8), 24.313 gepanzerte Fahrzeuge (+16), 39.001 Artilleriesysteme (+65) sowie 204.060 Drohnen operativ-taktischer Ebene (+1.948) . Die russische Seite hat diese Zahlen nicht bestätigt; unabhängige Überprüfungen sind nicht möglich.
6. Selenskyjs Golf-Diplomatie: Verteidigungsabkommen mit Katar und den VAE
Während der Kämpfe in der Ukraine setzte Präsident Selenskyj seine diplomatische Reise an den Persischen Golf fort. Am 28. März unterzeichnete er mit Katar ein Verteidigungskooperationsabkommen. Die Vereinbarung wurde in Doha zwischen dem stellvertretenden Premierminister und Staatsminister für Verteidigungsangelegenheiten, Scheich Saud bin Abdulrahman bin Hassan Al-Thani, und dem Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine, Rustem Umerow, geschlossen .
Das Abkommen umfasst nach Angaben des katarischen Verteidigungsministeriums "Zusammenarbeit in technologischen Bereichen, die Entwicklung gemeinsamer Investitionen und den Austausch von Fachwissen zur Bekämpfung von Raketen und unbemannten Luftfahrtsystemen" . Selenskyj sprach von einer "10-Jahres-Partnerschaft" – nach ähnlichen Abkommen zuvor mit Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten .
Besonders bemerkenswert ist der strategische Hintergrund dieser Reise. Die Ukraine bietet den Golfstaaten ihre Expertise im Drohnen-Abwehrkampf an, die sie in dreieinhalb Jahren Krieg gegen russische Shahed-Drohnen erwarb. Ein ukrainischer Abschuss kostet nach Angaben von Al Jazeera etwa 2.000 Dollar, während die Golfstaaten derzeit vor allem Patriot- und THAAD-Raketen für fast 4 Millionen Dollar pro Stück einsetzen . Im Gegenzug erhofft sich Kiew Zugang zu den dringend benötigten Luftabwehrsystemen des Westens, deren Bestände durch den Iran-Krieg zunehmend beansprucht werden .
Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete neutral über das Abkommen und betonte, dass die Unterzeichnung "vor dem Hintergrund erhöhter Spannungen nach den gemeinsamen US-israelischen Angriffen auf den Iran" erfolgte .
7. Diplomatische Verwerfungen: Rubio wirft Selenskyj "Lüge" vor – USA erwogen Umleitung von Ukraine-Waffen
Die diplomatischen Spannungen zwischen Kiew und Washington nahmen am 28. März eine dramatische Wendung. US-Außenminister Marco Rubio warf Selenskyj öffentlich vor, die Position der US-Regierung falsch darzustellen . Selenskyj hatte in einem Interview behauptet, die USA forderten die Ukraine auf, die Donbass-Region an Russland abzutreten, bevor Sicherheitsgarantien gewährt würden.
"Das ist eine Lüge", sagte Rubio in Paris am Rande der G7-Außenministerkonferenz. "Ich habe ihn das sagen sehen, und es ist bedauerlich, dass er das sagt, denn er weiß, dass das nicht stimmt" . Rubio stellte klar: "Ihm wurde das Offensichtliche gesagt: Sicherheitsgarantien werden erst nach Kriegsende greifen, denn sonst würde man sich selbst in den Krieg hineinziehen. Das war nicht daran geknüpft, dass er Territorium aufgibt" .
Selenskyj präzisierte daraufhin seine Aussage: Ein "Kriegsende" sei aus seiner Sicht gleichbedeutend mit einem ukrainischen Rückzug aus dem Donbass, da Russland den Krieg "erst nach dem Abzug der ukrainischen Streitkräfte aus dem gesamten Gebiet der Oblaste Donezk und Luhansk beenden werde" .
Rubio erklärte zudem, die USA seien offen dafür, eigentlich für die Ukraine bestimmte Waffen in den Iran-Konflikt umzuleiten. "Bislang wurde noch nichts umgeleitet, aber es könnte passieren. Wenn wir etwas für Amerika brauchen und es amerikanisch ist, werden wir es für Amerika behalten", sagte Rubio . Präsident Trump hatte zuvor gesagt: "Wir haben gewaltige Mengen an Munition. Wir haben sie in anderen Ländern ... manchmal nehmen wir von einem und verwenden für ein anderes" .
8. Russische Perspektive: Offensive nach eigenen Bedingungen und Angebot an Ukrainer
Die russische Nachrichtenagentur TASS berichtete am 29. März, dass die russischen Streitkräfte ihre Offensive im Donbass fortsetzten. Präsident Wladimir Putin habe klargestellt, dass Russland weiterkämpfen werde, bis die verbleibenden Gebiete des Donbass unter russische Kontrolle gebracht seien .
Gleichzeitig bemüht sich Moskau nach eigenen Angaben um humanitäre Gesten. Über Rückmelde-Bots hätten seit Jahresbeginn mehr als 370 ukrainische Bürger Kontakt zu russischen Stellen aufgenommen, um das Schicksal ihrer in den ukrainischen Streitkräften vermissten Angehörigen zu erfahren . Diese Darstellung ist Teil der russischen Informationspolitik, die eigene humanitäre Bemühungen betont.
Die russische Militärführung zeigte sich zuversichtlich, dass die Frühjahrsoffensive die ukrainischen Verteidigungslinien durchbrechen werde. Die ukrainische Seite berichtet hingegen von weiterhin stabiler Verteidigung und schweren Verlusten für die Angreifer .
9. Arabische und indische Perspektiven: Fokus auf Golf-Diplomatie und zivile Opfer
Die arabische Berichterstattung – insbesondere durch Al Jazeera – konzentrierte sich auf Selenskyjs Golf-Reise und die humanitären Folgen der russischen Angriffe. Al Jazeera betonte, dass die Ukraine den Golfstaaten eine "kostengünstige" Alternative zu ihren teuren Luftabwehrsystemen biete. Der Sender berichtete auch ausführlich über die getroffene Entbindungsklinik in Odessa .
Die indische Nachrichtenagentur ANI zitierte ausführlich die russischen und ukrainischen Opferzahlen. Die Hindustan Times berichtete ausführlich über Rubios Konfrontation mit Selenskyj und stellte die außergewöhnliche Schärfe der Attacke heraus, da Rubio bislang als Unterstützer der ukrainischen Sache galt .
Die iranische Fars-Nachrichtenagentur berichtete am Rande über die Entwicklungen in der Ukraine, konzentrierte sich jedoch überwiegend auf den eigenen Konflikt mit Israel. Ein direkter Zusammenhang zwischen dem Iran-Krieg und der Ukraine – etwa die mögliche Umleitung westlicher Waffen – wurde von iranischer Seite aufgegriffen, um die vermeintliche Doppelmoral des Westens zu kritisieren.
10. Ausblick: Keine Entspannung – Krieg im Donbass und diplomatische Verwerfungen halten an
Die militärische Lage in der Ukraine bleibt äußerst angespannt. Die russische Frühjahrsoffensive im Donbass hat an Intensität gewonnen, während die Ukraine ihre Verteidigung mit moderner Drohnentechnologie und gezielten Gegenangriffen auf russische Militärinfrastruktur organisiert.
Die diplomatischen Spannungen zwischen Kiew und Washington – insbesondere die öffentliche Konfrontation zwischen Selenskyj und Rubio – belasten das Verhältnis zu einem kritischen Zeitpunkt. Die Möglichkeit, dass westliche Waffenlieferungen an die Ukraine aufgrund des Iran-Konflikts gekürzt werden könnten, ist ein weiterer Unsicherheitsfaktor.
Selenskyjs Golf-Diplomatie zeigt gleichzeitig, dass die Ukraine neue Wege sucht, um internationale Unterstützung zu sichern und ihre Expertise im Drohnenkampf zu monetarisieren. Ob diese Strategie aufgeht, bleibt abzuwarten. Fest steht: Der Krieg in der Ukraine geht unvermindert weiter – während die Weltöffentlichkeit derzeit stark auf den Nahen Osten blickt.
Quellen: AFP, Al Jazeera, China Daily, Gulf Times, Hindustan Times, The Independent, Izvestia (TASS), RBC-Ukraine. Stand: 29. März 2026, 10:00 Uhr MEZ. Dieser Bericht erscheint auf https://www.brunhuber.com/aktuelle-kriegsberichte.